Tag des offenen Denkmals 2018

7. – 9. September

Fritz-Schumacher-Kapelle Finkenwerder

Die von Fritz Schumacher 1926 entworfene Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder wurde 2014/15 renoviert. 2016 folgte die Freilegung der Dekorationsmalerei am Bogensturz. Die Kapelle wurde der Finkenwerder Geschichtswerkstatt zur Nutzung überlassen. Es finden Ausstellungen und Veranstaltungen statt, zudem dient sie als außerschulischer Lernort. Durch die Besonderheit des Ortes mit Kriegsgräbern aus zwei Weltkriegen liegt der thematische Schwerpunkt bei Krieg, Vertreibung, Migration und Integration.
Veranstalter: Finkenwerder Geschichtswerkstatt im KFN-Kunstförderung Nord

Norderkirchenweg / Finkenwerder Landscheideweg
Offen: Sa. 10–18 h,
So. 10–17 h
Führung: halbstündlich (Kapelle), laufend (Friedhof) Programm: Ausstellung, Informationen zur Geschichtswerkstatt
Kutterhafen Finkenwerder

Seit 1994 liegen segelnde ehem. Berufsfahrzeuge im Kutterhafen. Die stählernen Ewer FRIEDA und JOHANNA sicherten Anfang des vorigen Jahrhunderts den Warenstrom zwischen Hamburg und den niederelbischen Marschen. Sie transportierten Baumaterial aus den Ziegeleien der Unterelbe, Obst und Gemüse aus dem Alten Land sowie Stückgüter wie Kisten und größere Gepäckstücke. Komplettiert wird das Ensemble durch den kleinen Haseldorfer Ewer DIE VERÄNDERUNG, den ehemaligen Fischkutter HF 329 WILMA und das Kulturschiff ALTENWERDER. Auf der alten ausrangierten Hafenfähre finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Veranstalter: Finkenwärder-Gaffel-Gemeinschaft e. V.

Köhlfleet-Hauptdeich
Offen: Sa. 11–17 h, So. 11–16 h
Führung: nach Bedarf

Vernetzen Beteiligen Gestalten

Dokumentation der 8. Lokalen Bildungskonferenz Finkenwerder

Montag, den 18. Juni 2018, von 14:30 bis 18:00 Uhr
in der Geschichtswerkstatt Finkenwerder (Fritz-Schumacher-Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder) Norderkirchenweg, 21129 Hamburg

Themenschwerpunkt:
„Aktiv für Finkenwerder – Wir arbeiten weiter!“
Moderation: Anita Hüseman
Protokoll: Josephine Koschak, RBK-Geschäftsstelle

Flyer als PDF

Die Kinder vom Bullenhuser Damm

Wanderausstellung

Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Kinder vom Bullenhuser Damm, vom Auffinden der Angehörigen, von der jährlichen Gedenkfeier, von dem Internationalem Jugendprojekt zum 70. Jahrestag im Jahr 2015, den Gedanken der internationalen Jugendlichen zu dem Thema und endet im Heute: Wann fängt Diskriminierung an?

Finkenwerder Geschichtswerkstatt in der Fritz-Schumacher-Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder am Norderkirchenweg

vom 10. Juni bis 10. Juli 2018
geöffnet dienstags und donnerstags 16-19 Uhr oder für Schulen und Gruppen nach Vereinbarung

Ausstellungseröffnung am 10. Juni 15:00 Uhr

Eine Initiative der Vereinigung vom Bullenhuser Damm e.V.

gefördert vom Bezirksamt Hamburg-Mitte

Gedenkveranstaltung 70 Jahre nach Kriegsende – der „vergessene Holocaust“

14:00 Uhr: Kranzniederlegung am Mahnmal Rüschweg/Neßpriel mit „Isle of Gospel“
15:00 Uhr: Elternschule, Norderschulweg 7
 

Wegbereiter und Täter
Prof. Dr. Otmar Freiherr von Verschuer war der führende Rassenhygieniker der NS-Zeit und ab 1942 Direktor des Kaiser-Wilhelm Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Der Machtantritt der Nazis bot ihm die Möglichkeit, seine auf elitären, rassistischen und inhumanen Grundsätzen beruhenden Forschungen voranzutreiben.

Prof. Dr. Fritz Lenz gründete bereits 1909 mit Eugen Fischer eine Ortsgruppe der Gesellschaft für Rassenhygiene. Mit dem Grundriss der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene 1921, wurde er in der Weimarer Zeit eine zentrale Figur für Rassenfragen. Er unterschied zwischen minderwertigem oder gar unwertem Leben als Vordenker der Vernichtung. Er schuf die geistigen Voraussetzungen und gab die akademischen Weihen für die grausamen Taten gegen Menschen, denen er das Lebensrecht absprach.

Dr. Dr. habil. Robert Ritter trat noch als Schüler 1918 in ein Freikorps ein. Er beginnt seine medizinische Karriere in der Jugendpsychiatrie, zuständig für die Begutachtung von schwer erziehbaren Jugendlichen. Später profilierte er sich als Wissenschaftler auf dem in NS-Zeiten so prestigeträchtigem Feld der Rassenhygiene. Er wird Institutsdirektor bei der neu geschaffenen Rassenhygienischen und Bevölkerungsbiologischen Forschungsstelle und überzeugt die Nazis von radikalen Maßnahmen gegenüber „Fremdrassigen“.

Artur Nebe begann nach dem ersten Weltkrieg den Dienst bei der Berliner Polizei. 1931 trat er, trotz formellen Verbots, der NSDAP bei, wurde förderndes Mitglied der SS und SA-Mann. 1933 setzte Nebe früh auf die Machtkonstellation Himmler und Heydrich und machte schnell Karriere. Als Leiter des Reichskriminalpolizeiamtes war er für die polizeiliche Erfassung, Überwachung und spätere Deportation der Sinti und Roma zuständig. Als Chef der Einsatzgruppe B war Nebe verantwortlich für den Mord an 45.000 Menschen. Hierzu gehören auch Gas-und Sprengversuche an geistig Behinderte in Minsk und Mogilew. Nebe selbst schlug vor, Sinti und Roma für Kälteschock- und Meerwasserversuche zu missbrauchen. Der sehr geschmeidige Nebe fiel wegen seiner Kontakte zu Personen des Widerstands 1944 bei Himmler in Ungnade. Anfang März 1945 wurde er nach einem nichtöffentlichen Verfahren vor dem Volksgerichtshof hingerichtet

Prof. Dr. Hermann Lundborg: Der schwedische Arzt und Forscher war seit 1921 Professor für Rassenbiologie an der Universität in Uppsala und Ideengeber und Gründungsdirektor des Staatlichen Rassenbiologischen Instituts. Er lud deutsche Forscher wie Fritz Lenz, Erwin Bauer, Otmar von Verschuer zu Vorlesungen ein. Es gab einen regen Austausch. Einer der ersten Besucher war Eugen Fischer. Er zeigte sich sehr beeindruckt von der umfangreichen und gut sortierten Fotosammlung lappländischer, finnischer und nordischer Rassentypologie, insbesondere der Nacktaufnahmen. Lundborg führte Messungen an der Bevölkerung in ganz Schweden durch und sammelte Daten von über 100.00 Personen — mit einer durchdachten Dokumentation und mit statistischen Angaben, die den Deutschen als Vorbild für ihre Rassenerfassung dienten.
 

Die Zeit nach 1945
Während nach 1945 die Verfolger und Peiniger juristisch nicht zur Verantwortung gezogen wurden, ihre Karrieren fortsetzten und, als Gutachter bestellt, die Entschädigung der Opfer verhinderten, blieben in der deutschen Mehrheitsgesellschaft die alten rassistischen Vorurteile und Diskriminierungen gegenüber den Sinti und Roma ungebrochen erhalten. Die überlebenden Opfer und ihre Nachkommen mussten sich selbst weitgehend ohne Unterstützung durch andere gesellschaftliche Gruppen gegen Benachteiligungen und Diskriminierungen verteidigen.
Obwohl beim Nürnberger Prozess 1946 die Roma und Sinti laut Anklage als Opfer des systematischen Mordprogramms der NS-Rassenideologie galten, erreichten sie erst 1982 ihre offizielle Anerkennung als Opfer eines Völkermords durch die Bundesrepublik. Die soziale Situation der Sinti und Roma in Deutschland und Europa bleibt weiterhin prekär und gefährdet, besonders in ökonomischen und politischen Krisenzeiten wie den gegenwärtigen. Vor allem sind die alten Begriffe und Zuschreibungen aus dem heutigen Sprachgebrauch zu streichen, die für die Menschen dieser Minderheiten absichtlich diskriminierend gewählt wurden, um ihre Ausgrenzung bis zum Mord zu legitimieren. (Daten und Texte aus der Dokumentation des Theater-Projekts 2015 „ZUR ENDLÖSUG DER ZIGEUNERFRAGE“ vom HISTORIKERLABOR Forschen/Darstellen/Erinnern)

Die Verfolgung der Sinti und Roma unter den Nationalsozialisten hat erst sehr spät Aufmerksamkeit in Deutschland bekommen. Stattdessen wurden Diskriminierung und Verfolgung lange über 1945 hinaus fortgesetzt. Oftmals mit den Personen aus Justiz, Kriminalpolizei und Verwaltung, die bereits in der NS-Zeit hierfür zuständig waren und/oder daran mitgewirkt hatten. Erst die Aufsehen erregenden Aktionen dieser Opfergruppen in Bergen-Belsen und Dachau 1979 und 1980 zeigten Erfolge.

1982 erkannte der Bundeskanzler Helmut Schmidt als erster deutscher Spitzenpolitiker die NS-Verfolgung als rassistisch motivierten Völkermord an. In der Folge konnten immerhin einige Überlebende ihre Ansprüche auf bis dahin verweigerte Entschädigungszahlungen durchsetzen.
Das zentrale Mahnmal zum Gedenken an ihre Opfer wurde erst 2012 nach jahrelangen, entwürdigenden Debatten über die Inschrift in Berlin eingeweiht.

Am 27. Januar 2011 hielt das erste Mal ein Sinto, der Unternehmer Zoni Weisz aus den Niederlanden, im deutschen Bundestag eine Rede zum Gedenktag für die Opfer der Nationalsozialismus und nannte den Völkermord an den Sinti und Roma den „Vergessenen Holocaust“. Er beklagte, dass angesichts der aktuellen Benachteiligungen von Sinti und Roma in weiten Teilen Europas wenig aus dem Verbrechen gelernt worden sei.
 

Ausgrenzung und Genozid an den Sinti und Roma in Europa 1933 – 1945

Die Zahl der im nationalsozialistisch besetzten Europa und in den mit Hitler-Deutschland verbündeten Staaten ermordeten Sinti und Roma wird auf eine halbe Million geschätzt. Von den 35.000 bis 40.000 erfassten deutschen und österreichischen Sinti und Roma werden etwa 25.000 ermordet.

Seit 1996 wird jeweils am 27. Januar bundesweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und an den Holocaust erinnert. Nur wenigen ist bewusst, dass auch Sinti und Roma massenhaft verfolgt und ermordet wurden. Die NS-Rassenideologie war nicht einer Wahnidee Hitlers entsprungen. Schon lange vor dem NS-Machtantritt konstruierten „Rassenforscher“ „Rassensysteme“, die die Nazis für ihre Rassenpolitik übernahmen. Anthropologen, Mediziner, Psychologen und Juristen, die sich selbst zu den „rassisch Wertvollen“ zählten, beanspruchten die Definitionsmacht über Menschen, denen sie biologische und kulturelle „Minderwertigkeit“ im Vergleich zur „Überlegenheit“ der europäischen „Hochrasse der Arier“ unterstellten. Die „Ungleichheit“ von Menschen behaupteten sie, beruhe auf unveränderlichen Erbanlagen. Als Berater der NS-Politik propagierten sie Juden sowie Sinti und Roma als „Fremdkörper“ aus dem „deutschen Volkskörper“ zu entfernen und hatten keine Skrupel, sie in den Lagern für ihre „Forschungen“ zu missbrauchen.

V.i.S.s.d.P.: Finkenwerder Geschichtswerkstatt, Helrnke Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12. 21129 Hamburg

Euthanasiemorde

09. November 2014, 15:00 Uhr Kranzniederlegung am Mahnmal Rüschweg/Neßpriel. 19:00 Uhr im Gemeindesaal St. Nikolai, Fkw. Landscheideweg 157.
Die NS-Rassenlehre
Nach der NS-Rassenlehre war das arische deutsche Volk „vollkommen“ und für die Herrschaft über andere Völker bestimmt Eine Konsequenz dieses Wahns war das am 14. Juli 1933 erlassene Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Es ermöglichte die Zwangssterilisation.
„Erbkranke“ konnten ihre eigene Sterilisation beantragen, was kaum vorkam. Antragsberechtigt waren außerdem die gesetzlichen Vertreter sowie beamtete Ärzte und Anstaltsleiter. Die im Gesetz aufgeführten „Krankheiten“ waren nicht eindeutig. Arbeitslose, Prostituierte, Bettler, „Asoziale“ oder sozial auffällige Personen waren vom Gesetz eigentlich nicht betroffen. Die Hamburger Gesundheits- und Fürsorgebehörde betrieb bereits im Herbst 1933, Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes am 01. Januar 1934, die Erfassung „erbminderwertiger“ Menschen und deren Anzeige zur Sterilisation. Innerhalb kurzer Zeit sichteten die Fürsorgerinnen und Amtsärzte sowie das ärztliche Personal der Heil- und Pflegeanstalten alle Akten. Dabei wurde der Ermessensspielraum sehr eng gegen die Betroffenen ausgelegt. Wer den Prüfenden als „minderwertig“, „moralisch schwachsinnig“ oder „asozial“ galt, wurde gemeldet. In Hamburg fällte das Erbgesundheitsgericht 15816 Sterilisationsbeschlüsse, hinzu kommt eine unbekannte Zahl aus Wandsbek, Altona und Harburg-Wilhelmsburg.
FINKENWERDER SCHICKSALE
Pauline L. hatte mit einem Chinesen aus dem Chinesenviertel auf St Pauli 2 Kinder. Die Verbindung entsprach nicht dem Rassegesetz der Nazis. Der Vater konnte vor der Räumung des Viertels rechtzeitig nach Holland emigrieren. Die Mutter stand unter der Beobachtung der Sozialbehörde und wurde durch den Beschluss des Erbgesundheitsgerichts zwangssterilisiert. Die Kinder lebten mit ihrem Großvater als Ausgebombte in der Dradenausiedlung, später in Finkenwerder. An den Beschlüssen des Gerichts waren Beisitzer beteiligt. Unter anderem der auch später noch hochgeehrte Prof. an der Universität Hamburg, Dr. Hans Bürger-Prinz.

Jakob M. aus Finkenwerder stand wegen seiner Zugehörigkeit zu den Bibelforschern vor dem Hanseatischen Sondergericht. Durch seine Aufgeregtheit veranlasste das Gericht, ihn zunächst auf seine strafrechtliche Schuldfähigkeit zu untersuchen. Aus seiner Krankenakte ging dann hervor, dass er 1934 in der Krankenanstalt Friedrichsberg wegen einer Kopfgrippe auf seinen Geisteszustand hin beobachtet und aufgrund der Diagnose „Schizophrenie“ – die häufigste Begründung dafür – zwangssterilisiert wurde. Tatsächlich lebte Jacob M. bis zu seinem Tod völlig unauffällig und normal.

Anna D.’s Mutter wurde das Sorgerecht entzogen, als angeblich erziehungsunfähig, da ihr älterer Sohn Kommunist war. Anna D. kam mit 12 ins Heim, wurde mit 15 sterilisiert und mit 18 in das Arbeitshaus Farmsen eingeliefert Dort und auch im Arbeitslager Tiefstack musste sie schwere körperliche Arbeit verrichten. Ihr Vormund war die leitende Mitarbeiterin der Sozialbehörde Käthe Petersen. Erst 1957 wurde Anna nach langen und schweren Jahren bemündigt. April 1998 starb sie und wurde auf dem Finkenwerder Friedhof beerdigt

Margarete 0. 1902 geboren, war unverheiratet und arbeitete als Hausangestellte. Nach einem Krankenhausaufenthalt kam sie zurück in ihr Elternhaus, da sie nicht mehr arbeitsfähig war. Gretel, wie sie genannt wurde, kam 1937 in eine Heil- und Pflegeanstalt in Neustadt/Holstein. 1938 besuchte ihre Nichte sie dort, gemeinsam mit ihrem Vater, dem Schwager von Gretel. Sie schien in guter körperlicher Verfassung zu sein, war aber sehr erregt und wiederholte ständig die Worte: „Ik will hier rut. Willi un Hans schöt mi holn.“ Das waren ihre Brüder. Um 1941 herum bekam die Familie die Nachricht, dass Gretel nach einer Verlegung in eine Anstalt in den Osten an einer Krankheit verstorben war.

Hermann Q. wurde März 1936 geboren. Er hatte zwei ältere Geschwister. Hermann war das Sorgenkind der Familie. Er entwickelte sich nicht so wie gleichaltrige Jungen. Zwei Jahre später bekam die Mutter einen weiteren Sohn. 1940 ließ sie sich dazu bewegen, Hermann in die
„Alsterdorfer Anstalten“ zu geben, in der Hoffnung, dass er dort besser betreut werden könnte. Doch im August 1943 wurde er in die „Heil- und Pflegeanstalt Eichberg“ verlegt, wo sein Leben einen Monat später endete. (nach Recherchen einer Projektgruppe des Gymnasiums mit Unterstützung von Klaus Möller.)

Paula. H. wurde 1895 als viertes Kind einer Fischerfamilie geboren. Sie entwickelte sich nicht altersgerecht und musste intensiv betreut werden. Ihre Mutter versorgte sie mit viel Geduld und Hingabe bis sie selbst 1931 starb. Wer nach dem Tod der Mutter Paula betreute, ist unklar.
1937 wurde sie jedenfalls in die Alsterdorfer Anstalten eingeliefert. 1943 gehörte Paula zu den Patienten, die nach Wien verlegt wurden. Hier starb sie an fehlender Pflege und Mangelernährung 1944. (recherchiert von Klaus Müller, Initiative Gedenken in Harhurg)

Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr schrieb Theophil Wurm, Landesbischof der Ev. Landes-Kirche in Württemberg, in einem Brief an den Reichsinnenminister anlässlich der „Euthanasie“-Morde. Doch 1933 konnten die Nazis nahtlos daran anknüpfen, dass die meisten Juristen, Lehrer, Ärzte, Pflegepersonal und Sozialbehörden-Mitarbeiterinnen sowie Fürsorgerinnen den Gedanken der „Rassenhygiene“ zustimmten. Das galt auch für das Personal in den
Einrichtungen der Diakonie und Caritas. Denn bereits in der Weimarer Zeit sollte die „Bestenauslese“ nicht durch falsch verstandene Humanität gestört werden. Die Ressourcen der Gesellschaft sollten „hochwertigen“ Menschen dienen, nicht „minderwertigen“ Personen. Je größer das Massenelend in der Wirtschaftskrise wurde, desto mehr galt die Eugenik mit Auslese und Ausmerzung als Lösung. Mit dem 1933 erlassenen NS- Erbgesundheitsgesetz wurde ein nicht eindeutig bestimmbarer Personenkreis, den die Hamburger durch ein Konstrukt des „angeborenen moralischen Schwachsinns“ erheblich erweiterten, zwangssterilisiert. Ab 1940 folgten Krankenmorde. Psychisch Kranke und Behinderte, sog. „Ballast-Existenzen“ wurden zunächst verlegt, dann in Tötungsanstalten vergast. Nach Protesten ging das Morden weiter, verdeckt und dezentral durch Gift, fehlende Pflege und Mangelernährung.
DIE JUDENPOGROME 1938
Unmittelbarer Auslöser war das Attentat in der deutschen Botschaft in Paris auf den Gesandtschaftsrat Ernst vom Rath durch Herschel Grynszpan. Herschel Grynszpan, geboren in Hannover, emigrierte mit 14 Jahren 1935 zu Verwandten nach Paris, weil es in Deutschland keine Zukunft mehr für Juden gab. Dort erfuhr er, dass die Nazis seine Eltern mit zigtausenden weiteren polnischstämmigen Juden zwangsweise und unter erbärmlichen Umständen in das Niemandsland an die polnische Grenze deportiert hatten. Der verzweifelte junge Mann besorgte sich einen Revolver und schoss am 07. November auf den Gesandtschaftsrat, der zwei Tage später an der Schussverletzung starb.
Die führenden NS-Vertreter hielten sich zu diesem Zeitpunkt in München auf, wo das traditionelle Treffen zur Erinnerung an den 1923 gescheiterten Putsch stattfand. Diese Verzweiflungstat war ein hochwillkommener Anlass, um sofort nach der Todesmeldung Einsatzbefehle für „spontane Vergeltungsaktionen“ an die einzelnen Dienststellen zu übermitteln. Die deutschen Juden sollten gedemütigt, isoliert, eingeschüchtert und unter Zurücklassung ihres Besitzes zur Ausreise gezwungen werden. Die Pogrome waren der Beginn der „Endlösung“ und endeten mit dem millionenfachen Mord an den Juden. V.i.s.d.P. Finkenwerder Geschichtswerkstatt, Helmke Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12.

75. Jahrestag der November-Pogrome 1938 – Erinnerung und Mahnung

10. November 2013
Der Tuchhändler Hermann Rimberg
Herr Rimberg besaß in der Elbstraße 96 nicht nur einen Tuchhandel, sondern führte in Finkenwerder zunächst gemeinsam mit seinem Kompagnon Auerbach auch einen Laden für Stoffe und Kurzwaren am Fkw. Norderdeich 20. Bis Nov. 1938 hatte er ihn weitgehend ausgeräumt und die Waren an seine Kunden in Finkenwerder verschenkt. Er entkam den Pgromen mit seiner Frau und seine beiden Kinder Max und Mary. Sie waren bereits nach N.Y. emigriert.
VERNICHTUNG DURCH ARBEIT

Der Rassenwahn und Vernichtungswille der Nazis richtete sich nicht allein gegen Juden, sondern umfasste sämtliche Feinde der Nazi-Ideologie, wie Kommunisten, Sozialisten, „Volksschädlinge“, Unangepasste, Liberale, Homosexuelle, Sinti und Roma und nach September 1939 insbesondere die osteuropäischen Völker. Sie wurden in großer Zahl umgebracht, vertrieben, versklavt und nach Deutschland verschleppt. Da Finkenwerder ein wichtiger Rüstungsstandort war, schufteten viele Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus ganz Europa während des Krieges unter teilweise unmenschlichen Bedingungen auf den Baustellen und Betrieben im Stadtteil. Die schwere körperliche Arbeit verbunden mit mangelhafter Ernährung, unbeschreiblichen hygienischen Bedingungen und unzureichender ärztlicher Versorgung überlebte eine unbekannte Anzahl dieser Menschen nicht. Einige wenige von ihnen wurden, da direkt vor Ort an den Folgen gestorben, auf dem Alten Friedhof Finkenwerder verscharrt. Mit einer Liste dieser Personen konnten wir feststellen, dass ihre sterblichen Überreste 1957 nach Ohlsdorf überführt wurden, wo sie endlich, soweit namentlich bekannt, mit Daten auf einem Grabstein eine angemessene letzte Ruhestätte erhielten.
AUFGETAUCHT

Ab 1941 begann die Deutsche Werft auf Befehl der Wehrmacht (Oberkommando Kriegsmarine) mit dem Bau des U-Bootbunkers, der im zweiten Abschnitt 1944 auf fünf Kammern erweitert wurde. Insgesamt wurde die enorme Menge von 130 000 Kubikmetern Stahlbeton mit einem Gewicht von 263 000 Tonnen verarbeitet. Der Bunker hatte extrem massive Wände und die Decken waren 3,50 und vier Meter dick. Die gesamte Bunkeranlage hatte eine Abmessung von 150 x 200 Meter. In den Boxen wurden die U-Boote ausgerüstet, repariert und gewartet. An den U-Booten wurden auch die Mannschaften ausgebildet. Erst als die Alliierten durchschlagskräftigere Bomben bauen konnten, durchbrachen Treffer die Bunkerdecke. Dabei starben 58 Menschen und 120 wurden verletzt. Kurz darauf war der Krieg ohnehin zu Ende. 1946 versuchten die Briten eine Sprengung. Dabei stürzte die Decke ein, die Seiten und Zwischenwände blieben weitgehend erhalten. Nach dem Abtrag auf 5.70 über NN, der Verfüllung und der Erhöhung der Bunkerfläche 1996 wurden die Reste unsichtbar. Erst als 2002 im Zuge der Start- und Landebahnverlängerung für Airbus der Berg abgetragen wurde, tauchte die monströse Ruine wieder auf. Die städtische Realsierungsgesellschaft ReGe entschloss sich, eines der letzten Zeugnisse des faschistischen Regimes in Finkenwerder als Denkmal herzurichten. Das Denkmal wurde 2006 der Öffentlichkeit übergeben als Erinnerung und Mahnung.
Die November-Pogrome 1938
Das Attentat auf Ernst vom Rath

Ein verzweifelte junger Mann, Herschel Grynszpan, geboren in Hannover, war mit 14 Jahren 1935 zu Verwandten nach Paris emigriert, weil es in Deutschland keine Zukunft mehr für Juden gab. Er hörte dort, dass die Nazis seine Eltern 1938 mit zigtausenden weiteren polnischen Juden und. deutschen Juden mit polnischen Wurzeln zwangsweise und unter erbärmlichen Zuständen an die polnische Grenze deportiert hatten. Er besorgte sich einen Revolver und schoss am 07. November 1938 in der deutschen Botschaft auf den Gesandtschaftsrat Ernst vom Rath, der am 09. November an den Schussverletzungen starb. Die führenden NS-Vertreter hielten sich zu diesem Zeitpunkt in München auf, wo das traditionelle Treffen zur Erinnerung an den 1923 gescheiterten Putsch stattfand. Die Verzweiflungstat war willkommener Anlass für das Regime, den „Volkszorn“ zu organisieren, als „Vergeltungsaktion“ zu deklarieren und damit in der Nacht vom 09. auf den 10. im gesamten Reich zu beginnen. „Hauptziel“, so der Judenreferent im Auswärtigen Amt, Dr. Emil Schumburg, „der deutschen „Judenpolitik“ sei nun die Auswanderung aller im Reichsgebiet lebenden Juden.“
ALS MORD ERLAUBT WAR (RAPHAEL GROSS)

„Das Jahr 1938 steht für eine neue Dimension der Gewalt gegen Juden, für den Übergang von der Diskriminierung und Entrechtung zur systematischen Verfolgung, Beraubung und Vertreibung. Massiv waren die öffentlichen Gewaltexzesse schon in Wien, beim sogenannten Anschluss Österreichs am 12. März 1938. Den Einmarsch begleiteteten heftige antisemitische Ausschreitungen. Wenige Monate später wurden während der sogenannten Juni-Aktion über 1500 jüdische Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsen-hausen verschleppt, wo sie brutalsten Misshandlungen ausgesetzt waren. Und schließlich die „Reichskristallnacht“. In der deutschen Geschichte gibt es nichts, was mit den Pogromen im November 1938 vergleichbar wäre. Niemals zuvor wurde das staatliche Gewaltmonopol in aller Öffentlichkeit in die Hände einer antisemitischen „Volksgemeinschaft“ gelegt. Niemals standen Hunderttausende Jüdinnen und Juden einer derart aufgehetzten Bevölkerung gegenüber und mussten Schläge und Erniedrigungen, Totschlag und Mord, die Zerstörung ihrer Häuser, Geschäfte und Wohnungen erleiden.

Ein öffentlichlicher Vorgang, kein Geheimnis – eine erste Katastrophe vor der Katastrophe. Mehr noch als das Jahr 1933 und die sogenannte Machtergreifung Hitlers bildet daher der November 1938 eine Zäsur in der Geschichte.“ In Auszügen zitiert aus dem Beitrag von Raphael Gross in der FAZ vom 30 August 2013. V.i.S.d.P.: Helmke Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12, Hamburg

Tag des offenen Denkmals und Deichpartie

07. und 08. September 2013
 

Alter Friedhof Finkenwerder

Der Alte Friedhof Finkenwerder ist ein historisch und kulturell aufschlussreicher Ort. Eingerichtet wurde er vermutlich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Denn auf den ältesten noch vorhandenen Grabsteinen sind aus dieser Zeit entsprechende Daten zu finden. Da die Nikolaikirche im Jahre 1881 errichtet wurde, vermuten wir, dass der Friedhof ebenfalls um diese Zeit herum entstand. Gesicherte Daten fehlen uns jedoch.
Auffallend sind heute zunächst die prächtigen Tore, den Prunkpforten der Obsthöfe im Alten Land nachempfunden. Sie wurden jedoch, wie die kleine Kapelle, erst 1926/27 nach den Plänen von Fritz Schumacher errichtet. Gleichzeitig entstand neben der Kapelle das Kriegerdenkmal von Richard Kuöhl für die Gefallenen des 1.Weltkriegs

U-Boot-Bunker FINK II

Zwischen 1941 und 1944 wurde die 150x200m große Bunkeranlage auf dem Gelände der Deutschen Werft errichtet. Hier wurden U-Boote repariert und ausgerüstet. Bei der Verlängerung der Start- und Landebahn für Airbus 2002 tauchte eines der letzten Zeugnisse des faschistischen NS-Regimes in Finkenwerder wieder auf. Statt die monströse Ruine abreißen zu lassen, entschied sich die ReGe, einen Wettbewerb für ein Mahnmal auszuloben.

Aufgetauchte Geschichte

Als unser Arbeitskreis sich anlässlich der Einweihung des Mahnmals für die NS-Opfer 1996 gründete, um die verdrängte Ortsgeschichte während der Nazi-Zeit zu erforschen, zeigte sich, dass das im Oktober 1944 errichtete Außenlager nur einen geringen Teil dieser Geschichte ausmachte.
Tatsächlich verwandelte sich der Ort bereits mit dem 4-Jahresplan von 1936 zu einem Zentrum nationalsozialistischer Kriegsrüstung. Eine Tatsache, die von den einschlägigen Stadtteilchroniken lautstark beschwiegen wird. Ab 1936 begann Blohm & Voss mit dem Bau einer Flugzeugwerft, um an der völkerrechtswidrigen Neuschaffung einer deutschen Luftwaffe teilzuhaben. Aber weit erfolgreicher mischte die Deutsche Werft in Finkenwerder mit und erlebte durch die Rüstungsaufträge einen außerordentlichen Aufschwung. Ab 1941 begann die Deutsche Werft auf Befehl der Wehrmacht (Oberkommando Kriegsmarine) mit dem Bau des U-Bootbunkers, der im zweiten Abschnitt auf fünf Kammern erweitert wurde. Dabei wurde die enorme Menge von 130 000 Kubikmeter Stahlbeton mit einem Gewicht von 263 000 Tonnen verarbeitet. Bereits hierfür wurden Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge eingesetzt. Die schwere körperliche Arbeit verbunden mit mangelhafter Ernährung, unbeschreiblichen hygienischen Zuständen und unzureichender ärztlicher Versorgung überlebte eine unbekannte Anzahl dieser Arbeiter nicht.
Im Produktionsbetrieb der Werft wurden ebenfalls Zwangsarbeiter eingesetzt.
Ab Oktober 1944 unterhielt die Deutsche Werft auf ihrem Gelände sogar ein eigenes Außenlager des KZ Neuengamme. Mindestens 280 Häftlinge starben bei Bombenangriffen. Wie viele durch die schrecklichen Lager- und Arbeitsbedingungen getötet wurden, ist nicht mehr feststellbar.

U-Boot-Bunker FINK II

Die Bunkeranlage war im Oktober 1946 von den Alliierten gesprengt worden. Der Bunker stürzte ein, die Seiten- und Trennwände blieben jedoch weitgehend erhalten. Anfang der 60er Jahre wurde die Ruine bis auf 5,70 über NN abgetragen und verfüllt Ein vollständiger Abbruch war zu teuer. Nach der Verfüllung des Neßkanals wurde die Fläche erhöht und 1996 als Aussichtsberg hergerichtet. Die Ruine wurde unsichtbar. Nach einem Entwurf von Anja Bremer und Beate Kirsch wurden die Reste des Bunkers als Denkmal 2006 von der ReGe der Öffentlichkeit übergeben.

Judenpogrome 9./10. November 1938

08. November 2012 Gedenkveranstaltung. 18:00 Uhr Mahnmal Kranzniederlegung. 19:00 Uhr Musiksaal Stadtteilschule Finkenwerder: Szenische Lesung „Adressat unbekannt“.
Judenpogrome 9./10. Nov. 1938

Die Novemberpogrome waren Vorboten schrecklicher Angriffskriege und unbeschreiblicher Gräueltaten. Der Arbeitskreis nimmt dieses Datum zum Anlass, aller Opfer der Nazis zu gedenken. Regimegegnern wie Gewerkschaftern, Kommunisten und Sozialdemokraten, rassisch verfolgten Juden, Sinti und Roma, sowie Osteuropäern, Unangepassten, Homosexuellen, Bibelforschern und Behinderten. Innerhalb weniger Wochen nach der Machtübernahme vermochten es die Nazis das parlamentarische Leben auszuhebeln und wichtige Grundrechte der Weimarer Verfassung ausser Kraft zu setzen. Wer der Ideologie der Nazis nicht folgen konnte oder wollte, war dem Willkürsystem nunmehr schutzlos ausgeliefert. Ein System von Terror und Angst sowie eine fast hysterische Begeisterung und Unterstützung für das „Dritte Reich“, vom allem durch die sogenannten „Eliten“, verhinderte in den ersten Jahren einen wirksamen Widerstand, bis es zu spät war.
Massnahmen zum Schutz von „Volk und Staat“

Kurz nach dem Reichstagsbrand am 27.02.1933 begannen die Nazis mit Aktionen gegen die von ihnen verfolgten Bevölkerungsgruppen. Einige Daten dazu:
28.02.1933, Massenverhaftungen von Kommunisten und Sozialdemokraten.
24.03.1933, das Ermächtigungsgesetz beseitigt die Gewaltenteilung, das Parlament wird entmachtet
01.04.1933, Boykott jüdischer Geschäfte und Aktionen gegen jüdische Ärzte und Anwälte. 07.04.1933, „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, SPD- , KPD- und nichtarische Mitglieder werden aus dem Öffentlichen Dienst entlassen.
1933/1934, der „Arierparagraph“ wird ausgedehnt auf Berufsvereinigungen, den Kammern, Turn- und Sportvereinen, der Wehrmacht und Studienabschlüsse.
01.01.1934, das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchs“ tritt in Kraft. Die von Ärzten und Pflegekräften gemeldeten Personen werden zwangssterilisiert.
15.09.1935, die Nürnberger Gesetzte verbieten Juden die Eheschließung mit nichtjüdischen Partnern und stellen auch außerehelichen Verkehr zwischen solchen Partnern unter Strafe.
Herbst 1935, in Finkenwerder werden die Bibelforscher (Jehovas Zeugen) verhaftet und 1936 verurteilt.
10.10.1936, Errichtung der Reichszentrale zur zentralen „Erfassung und wirksamer Bekämpfung“ von Abtreibung und Homosexualität.
28.10.1938, bis zu 17.000 Juden polnischer Herkunft werden über die Grenze nach Polen abgeschoben.
9./10. Nov.1938, das Attentat auf den deutschen Legationsrat in Paris durch den 17jährigen Herschel Grynszpan dient der NSDAP als Vorwand einen reichsweiten Pogrom anzuzetteln. 01.09.39, Überfall auf Polen. Die „Euthanasie“-Ermächtigung erhält das gleiche Datum. Überall im Land werden Kinder und Erwachsene Patienten getötet.
12.07.1940, nach § 175 verurteilte Homosexuelle werden nach der Haft ins KZ verschleppt.
Herbst 1940 erste Deportationen von Juden, Sinti und Roma beginnen. Deportierten Juden wird das Vermögen konfisziert, Auswandern ihnen verboten.
20.01.1942, auf der Wannsee-Konferenz koordinieren die Vertreter der Reichsbehörden und der SS die Ermordung der europäischen Juden.
Ab 1943, alle noch im „Altreich“ verbliebene arbeitsfähigen „Volljuden“ ‚Sinti und Roma werden in die Vernichtungslager deportiert.
08.05.1945 die deutsche Wehrmacht kapituliert.
Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ Neuengamme

Unter diesem Namen gründete sich kurz nach der Einweihung des Mahnmals am 16. Dezember 1996 eine Initiative mit dem Ziel, diesen Teil der verdrängten Ortsgeschichte zu erkunden. Treibende Kraft war das Ehepaar Ingeborg und Karl-Heinz Luth. Sie hatten bei der Einweihung Kontakt zu dem anwesenden Ex-Häftling Ernst Nielsen aufgenommen und von ihm viel über das Lager und die Haftbedingungen in Finkenwerder erfahren. Bereits im November 1998 konnte der Arbeitskreis dank inzwischen gesammelter Augenzeugenberichte anlässlich des 60gsten Jahrestages der Pogrome eine öffentliche Veranstaltung zum Thema durchführen. Viele Finkenwerder erhielten dadurch zum ersten Mal Kenntnis von der Existenz und den Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge am Rüstungsstandort Finkenwerder während der Nazizeit.
Seitdem informiert der Arbeitskreis regelmäßig über die Ergebnisse der Recherchen zumThema und begleitet die von Senat und Bürgerschaft eingeladenen nach Fkw verschleppten ehemaligen
KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter auf ihrer Spurensuche vor Ort. Die Novemberveranstaltung verbindet der Arbeitskreis mi einer Kranzniederlegung am Mahnmal. An dieser Veranstaltung beteiligen die Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Nikolai, das kath. Kloster Karmelzelle und sämtliche im Finkenwerder Regionalausschuss vertretenen Parteien mit einer Kranzspende.
Manche meinen, nun müsse Schluss sein mit der Vergangenheit und Schuldvorwürfen. Aber es geht gar nicht um Schuld. Es geht um Respekt vor dem Leiden und den Schicksalen der Opfer. Es geht um Verantwortung für die Zukunft. Fremdenfeindlichkeit und antisemitische Aktivitäten, hier sei an die NSU-Morde oder an den jüngsten Überfall auf einen Rabbiner in Berlin erinnert, klingen wie das unheimliche Echo ausder Vergangenheit. Sie zeigen wie wichtig die Erinnerung an die Vergangenheit bleibt!

„Adressat unbekannt“

Die in der NS-Zeit begangenen Verbrechen erschütterten die ganze Welt. Die Anzahl der ermordeten und gequälten Menschen, die Grausamkeit und Perfektion, mit der die Verbrechen begangen wurden, schienen unvorstellbar. Doch sie geschahen nicht heimlich, sie vollzogen sich vor der Weltöffentlichkeit. Und bereits September/Oktober 1938 – bevor das ganz große Morden begann -veröffentlichte die New Yorker Zeitschrift Story unter dem Titel „Adressat unbekannt“ einen fiktiven Briefwechsel der Autorin Kressmann Taylor, der sofort ungeheures Aufsehen erregte. Innerhalb von zehn Tagen war die gesamte Auflage ausverkauft.1939 brachte Simon & Schuster den schmalen Text als Buch heraus. In einer Besprechung hieß es:“ Es ist die stärkste Anklage gegen den Nationalsozialismus, die man sich vorstellen kann“.

Die Aufmerksamkeit der Journalisten und Leser galten einer unbekannten Autorin, die als Werbetexterin gearbeitet hatte, bevor sie ihre Anstellung aufgab, um für ihre drei kleinen Kinder zu sorgen. Sie erläuterte damals die Entstehung wie folgt: Der Text basiere auf einigen tatsächlichen geschriebenen Briefen, auf die sie gestossen sei und zur der fiktiven Form umgearbeitet habe. Später geriet der Text in Vergessenheit.

Die neonazistischen Strömungen in wiedervereinten Deutschland, dass erneute Aufkommen von antisemitischen Haltungen in Osteuropa und die zunehmende Popularität der weissen Nationalisten in den USA sowie die grassierende Fremdenfeindlichkeit in vielen Ländern der Welt veranlasste Story den Text 1992 noch einmal abzudrucken. Wieder erregte die Geschichte außergewöhnlich lebhaftes Interesse bei den Lesern. Nach 1995 erschien es als Buch auch in Frankreich und gelangte dort in die Bestsellerlisten
In Deutschland wurde es viel gelesen, gelobt und rezensiert, aber es hat noch eine viel größere Öffentlichkeit verdient. Denn nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben.

Der schmale Roman ist ein literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und seinem amerikanischen, jüdischen Geschäftspartner in den Monaten um Hitlers Machtergreifung beschreibt der Roman in grosser Schlichtheit die dramatische Entwicklung einer Freundschaft. „Welche Hellsichtigkeit! Und welche Kraft!“, urteilte eine Rezension.

Der Fkw Arbeitskreis dankt der Schüler-Theater-AG in Finkenwerder unter Leitung von Uwe Tesch für die Bearbeitung, Gestaltung und szenische Lesung des Textes. V.i.s.d.P.: Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ Neuengamme, Helmke Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12, 21129 Hamburg

Finkenwerder Fischer im Zweiten Weltkrieg

03. Juni 2012, 15:00 Uhr Kapelle Alter Friedhof Fkw.. 16:00 Uhr im Gemeindehaus St. Nikolai, Fkw. Landscheideweg 157.
Finkenwerder Fischer: Minensuchen im Krieg und Heimkehr.
 

KRIEG GEGEN DIE SOWJETUNION / Finkenwerder Fischer im Kriegseinsatz

Seit März 1941 einberufen, wurden sie von Schilksee aus zum Minensuchen im Fehmarnbelt eingesetzt. „Als der Krieg gegen Russland im Juni 1941 ausbrach waren wir in Libau, gegenüber von Osel. Zwischen Land und Insel haben wir geankert mit 7 Schiffen in einer Kolonne. Die „Präsident Freiherr von Maltzahn„ war das Führungsschiff. Dann begannen die Kämpfe auf der Insel Ösel. Bereits nach einem Tag hatten sie die Russen besiegt und kamen mit den gefangenen Russen mit Prahme aufs Festland. Spater sah ich an einem Bahnhof, da wurde Hafer verladen, wie die Russen vor Hunger die einzelnen Haferkörner aufsammelten.
Danach haben wir unsere Schiffe in Ösel angebunden. Nun war da ja keine Gefahr mehr. Die Bevölkerung begrüßte uns freudig: Wir sind die Russen los. Denn die Russen hatten die Bevölkerung ausgeplündert und Sachen zerstört. Wir sahen zum Beispiel einen riesigen Haufen kaputter Fahrräder. Einer aus unserer Mannschaft hat die repariert, und so hatten wir Räder an Bord.“
„In Libau bekam das Schiff ein Aggregat und eine große Kabeltrommel an Deck. Das Kabel war 150m lang und wurde achteraus gefiert. Die Schiffe ankerten nachts vor der Küste und die Besatzung überwachte die Ostsee wegen möglicher russischer Schnellboote.
„In Libau waren auch die Leute mit dem Stern. Die mussten alle auf der Straße laufen und durften nicht auf den Bürgersteig gehen. Und am Strand sollten die Mariner, das wurde erzählt, sie alle abknallen. Aber die haben alle vorbeigeschossen, die konnten das nicht. Da haben sie dafür die SS geholt. Ich habe es nicht gesehen, aber es wurde erzählt. Und SS habe ich dort auch gesehen, erkennbar an den schwarzen Uniformen, sie haben die Gefangenen begleitet.“ -Aussage Hustedt.

1944 wurde Max von Kampen zu einem Lehrgang nach Kopenhagen geschickt. Es fehlte es der Kriegsmarine an erfahrenen Leuten für den U-Boot-Einsatz. Wegen gesundheitlicher Probleme war er allerdings nicht U-boot-tauglich und kehrte zurück auf sein Schiff. Dort bekam er einen Marschbefehl für sich, um ein Reserveteil aus der Maschinenfabrik in Bergedorf abzuholen. Auf dem Rückweg waren die Russen schon in Memel. Da wurde er als einzig vorhandener Nautiker eingesetzt, um eine Fähre mit gefangenen Russen nach Libau zu transportieren, bevor er wieder auf sein Schiff konnte.
 

Der Rückzug beginnt

Vom Generalstab in Libau kam der Marschbefehl nach Gotenhafen. Das Schiff war im Dock, das Wendegetriebe war kaputt. Die lettischen Werftarbeiter waren alle vor den nahenden Russen in die Wälder gelaufen. Es herrschte 20 Grad Frost, alles war vereist. Eine deutsche Werkstattkompanie überbrückte das Wendegetriebe und vier kleine Schlepper brachen das Eis auf. Die Russen schossen bereits in den Hafen hinein. Im Konvoi und mit Schlepperhilfe
verließ das Schiff im letzten Moment den langen Hafen. Unterwegs wurden die Schiffe von russischen Fliegern angegriffen, das Wasser war aufgewühlt, aber kein Schiff wurde getroffen. Gotenhafen war voller Flüchtlinge. „Heimlich nahmen wir welche an Bord, es war nicht erlaubt, aber man konnte das Leid nicht tatenlos mit ansehen.“ Als Schlepperhilfe Richtung Kiel fand er ein Frachtschiff aus Finkenwerder. Auf See bekam das Schiff Motorschaden. „Wir schleppten es jetzt zurück nach Gotenhafen. Nach 8 Tagen Reparatur sind wir im größeren Konvoi wieder ausgelaufen. Um diese Zeit geschah das Unglück mit dem großen Schiff (Gustloff). Wir kamen wohlbehalten in Kiel an. Ein Finkenwerder Kümo schleppte mich durch den Kanal. Von Brunsbüttel bin ich dann allein nach Bremerhaven geschippert“.
 

CHAOS und Kriegsende

Marschbefehl hin oder her, wegen der nahenden Engländer wollten die Bremerhavener mit dem Kriegsschiff nichts mehr zu tun haben. „Wir holten das Wendegetriebe aus Geestemünde und fuhren elbaufwarts nach Finkenwerder in die Eckmann-Werft. Jonny Eckmann sagte, die Engländer stehen vor Hamburg, alle Soldaten müssen Hamburg laut Führerbefehl verteidigen. „Ihr müsst hier weg.“ Er vermittelte eine Werft an der Stör in Wewelsfleth. Ganz Dithmarschen war zu diesem Zeitpunkt voller flüchtender deutscher Soldaten und die Engländer standen schon am anderen Elbufer. Tiefflieger schossen auf Alles, was sich auf den Straßen bewegte. Ein Nazi-Leutnant befahl, mit dem Schiff 50-60 Soldaten an das andere Ufer zu fahren, um dort gegen die Englander zu kämpfen. Notfalls solle er sie rudernd rüberbringen, denn das Schiff sei nur bedingt einsatzfähig, hatte Max von Kampen ihm gesagt. Aber die Engländer kamen immer näher und endlich kam der 9. Mai.
 

Rückkehr in das zivile Leben

„Auf der Fahrt elbaufwärts nach Hamburg haben wir dann das Marinekennzeichen am Kutter übermalt und wieder das HF 314 rangemalt. So kamen wir unbehelligt von den Engländern bei Eckmann an. Im September1945 mussten wir eingezogenen Fischer dann alle nach Hamburg hin, und da sind wir dann aus der Marine entlassen worden. Bis dahin haben wir gefischt. Wir waren die ersten die raus gegangen sind zum Fischen. Viele andere Schiffe meiner Freunde waren im Kanal verloren gegangen, z. B. die von Willi Wüpper und Hini Heinrich, nur Cordes hatte sein Schiff behalten.“
 

Finkenwerder Fischer

Wer aufmerksam die Politik der Nazis verfolgte, merkte sehr schnell wohin die Reise ging. Der Vier- Jahresplan von 1936 mit den Ausgaben für die Rüstungsgüter bestätigte eine Vermutung der kritischen Intelligenz: es gibt bald Krieg! Auch die Fischkutter und ihre Besatzungen waren in die Kriegsplanungen einbezogen. Max von Kampen erlebte als Eigner von HF 314 schon 1937 was die Regierung mit den Fischkuttern vorhatte: „dass die Nazis uns für Kriegszwecke gebrauchen wollten IHR KRIEGT 500 MARK DEN TAG UND DANN SOLLT IHR MINEN-ÜBUNGEN MACHEN: und da konnte man schon merken – wer ein kleines bisschen Grips hatte, dass sie die für Kriegszwecke gebrauchen wollten, weil das Reich so viel dazu gab.“

Nämlich beim Erwerb neuer, leistungsfähigerer Kutter. Der Schiffbau auch kleinerer Typen wurde inzwischen kontinuierlich verbessert. Ab 1938 gewannen Ingenieure durch weitere systematische Forschungsarbeiten die Idee zur Normierung des Schiffstyps als sogenannten Reichsfischkutter. Ab Winter 1941 wurde dieser erste Kutter dann als KFK 1 auf der Eckmann Werft in Finkenwerder gebaut. Das Oberkommando der Kriegsmarine verlangte die Bezeichnung Kriegsfischkutter. Unabhängig davon waren gleich bei Kriegsausbruch alle verfügbaren Fischkutter beschlagnahmt. So zog ein höchst ungleiches Sammelsurium von Kuttern in den Krieg. Für Max von Kampen und sein Schiff begann der Kriegseinsatz im März 1941in Kiel.
 

Max von Kampen

war Jahrgang 1902, als Bauemsohn in Dithmarschen groß geworden und hatte sich im Alter von 20 Jahren der Fischerei zugewandt. Er kam nach Finkenwerder und erwarb 1933 den Fischkutter „Düsseldorf“, HF 314. Er weigerte sich beharrlich in die Partei einzutreten mit dem Hinweis, er gehöre dem „Reichsnährstand“ an, das müsse genügen. Trotz mehrfacher Aufforderung blieb er standhaft. Aus diesem Grunde wurde er von der englischen Besatzungsbehörde in die örtliche Volksvertretung berufen.

Der Arbeitskreis konnte seine auf Kassetten festgehaltenen Kriegserlebnisse auswerten.
V.i.S.P.:KFF Geschichtswerkstatt,c/o H. Kaufner,Carsten-Fock-Weg 12, 21129 Hamburg

Gedenkveranstaltung anlässlich der Judenpogrome 1938

13. November 2011, 15:00 Uhr Kranzniederlegung am Mahnmal Ecke Rüschweg/Neßpriel mit der ISLE OF GOSPEL.
Ab 16:99 Uhr folgt im Gemeindehaus St. Nikolai, Fkw. Landscheideweg 157, anlässlich der 775-Jahrfeier Finkenwerders ein Heimat.
Abend mit Filmdokumentationen.

DIE POGROMNACHT 9/10 November 1938

Der 9. November war für die Nazis seit 1923 ein besonderer Tag. An diesem Tag, fünf Jahre nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II., versuchte Hitler mit dem „Marsch auf die Feldherrenhalle“ in. München die Reichsregierung zu stürzen. Der Putsch wurde niedergeschlagen. Als sich die
NS-Führung am 09.11.38 in München versammelte, um des „Marsch auf die Feldherrenhalle“ zu gedenken. Die Nachricht vom Tod des deutschen Botschaftssekretärs in Paris, der durch ein Attentat des polnischen Juden, Herschel Grynszpan zwei Tage vorher schwer verletzt wurde, war ein mehr als willkommener Anlass, um „spontane Vergeltungsaktionen“ zu inszenieren. Das Pogrom wurde zum Fanal für eine Mordorgie und Vernichtungsaktion, die bis heute beispiellos ist

Kurz nach der Machtübernahme der NSDAP mit Hitler am 30.01.33 trat am Tag des
Reichtagsbrandes am 28.02.1933 die „Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“ in Kraft.
Die Grundrechte wurden aufgehoben: jeder Bürger, jede Bürgerin konnte ohne rechtliches Gehör aus polizei-politischen Gründen unbefristet in Schutzhaft genommen werden. Wer durch sein Verhalten, insbesondere durch staatsfeindliche Betätigung, die öffentliche Sicherheit angeblich gefährdete, landete ohne jeden Rechtschutz in den Lagern und Folterkellern der Nazis. Die Gestapo (Geheime Staatspolizei) entschied über die Schutzbefehle, legte die Dauer fest und beaufsichtigte die Vollstreckung. Diese „Notverordnung“ war eine erste wichtige Etappe zur Willkürherrschaft und NS-Terror.

Ein Leben in Angst
Die ersten Opfer waren die Mitglieder der kommunistischen und der sozialdemokratischen Partei. Auch parteilose Kritiker und Gegner der Faschisten gerieten in die Fänge der Gestapo. Wer jedoch das Parteiprogramm der NSDAP kannte oder Hitlers „Mein Kampf` gelesen hatte, der konnte ahnen, was kurz darauf Schlag auf Schlag folgte: Durch das „Ermächtigungsgesetz“ vom 23.03.33 verlor die gewählte Volksvertretung jede Bedeutung. Boykott der jüdischen Geschäfte 01.04.1933. Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums mit einem Arierparagraphen 07.04.33 Das Gesetz ermöglichte quasi jede willkürliche Personalmaßnahme in Behörden, Verbänden und staatlichen Einrichtungen, um überall Parteigenossen zu installieren. Bücherverbrennung liberaler Autoren 10.05.33 Dazu kam die zunehmende Entrechtung der Juden. Sie mussten ab dem 17. August 1935 laut einer Vornamensverordnung die Zusätze „Israel“ oder „Sara“ tragen. Ab dem 15. September 1935 wurden die Nürnberger Gesetze zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre erlassen. Als am 9/10 November 1938 die Synagogen zerstört und die Juden von Nazi-Schergen gejagt wurden, zeigte sich deutlich, was kurze Zeit später unter dem Begriff „Endlösung der Judenfrage“ gemeint war: Die Vernichtung!

ZUKUNFT
Die Überlebenden, die die Gräueltaten des Nazis bewusst miterlebten, werden immer weniger. Sie bitten uns nachdrücklich, an diese Schreckenstaten weiterhin zu erinnern und zu mahnen. Sie fürchten, dass sich ein ähnliches Inferno wiederholen könnte und dass die vielen Opfer mit der Zeit in Vergessenheit geraten. Schließlich haben sie selbst erfahren müssen, wie ungenügend die Nachkriegsgesellschaft die Täter rechtlich zur Verantwortung zog. Die Anerkennung als NS-Opfer verlief unzureichend und zäh. Rehabilitiert wurden sie spät und erhielten, wenn überhaupt, schäbige Beträge als Entschädigungen. Für die von der NS-Militärjustiz verurteilten Deserteure der Wehrmacht geschah dies beispielsweise erst 2002. Bis dahin galten sie als „Vaterlandsverräter“ und als Vorbestrafte.
An die 12 Jahre der Nazi-Diktatur zu erinnern, ist auch ein Bekenntnis zu den Grundrechten in unserer Demokratie. Angesichts globaler ökonomischer Krisen sind Rechtsradikalismus,
Nationalismus und Neofaschismus wieder erstarkt. Terrorakte, wie jüngst in Oslo sind Menetekel. In Ungarn werden Grundrechte wie die Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt. Einstmals liberale Länder wie Dänemark und die Niederlande haben starke rechte Parteien, die mit
Fremdenfeindlichkeit Wählerstimmen sammeln. Auch bei uns bekommen rechtsextreme Parteien Parlamentssitze. Für die Einhaltung der Grundrechte ist die Demokratie eine Vorraussetzung, keine Garantie. Wir Bürger müssen deshalb weiter wachsam bleiben und rechtzeitig warnen und mahnen.

Filmdokumentationen
700-Jahrfeier Finkenwerders 1936
2011 feiert der Ort 775 Jahre Finkenwerder. Das 1. Mal wurde so ein Fest 1936 durchgeführt. Die Nazis hatten zu diesem Zeitpunkt bereits alle Ämter, Verbände und Vereine mit Parteigenossen und Regimetreuen besetzt und Freie Gewerkschaften kurzerhand verboten. Ohne die Kontrolle sowie die Federführung bei der Durchführung derartiger Volksfeste war eine solche Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt der NS-Diktatur undenkbar. Es lag außerdem im Interesse der NSDAP die Volksgemeinschaft durch derartige Inszenierungen zu stärken und einen einheitlichen Volkskörper zu formen. Der Film zeigt in Ausschnitten die Festaktivitäten. Z.B. eine Marine-Abordnung, die auf dem Alten Friedhof gefallene Soldaten des 1. Weltkriegs ehrten. u. a. den Finkenwerder Autor, Gorch Fock. Seine Schriften wurden von den Nazis für eigene Zwecke instrumentalisiert und in großen Auflagen neu herausgegeben.

Finkenwerder — Veränderungen um jeden Preis?
Die Dokumentation beschreibt ausschnittsweise die Geschichte Finkenwerders und zeigt den Druck und die Belastungen, denen hafennahe Stadtteile und ihre Bewohner in Umbruchsituationen durch überregionale Planungen ausgesetzt sind. Wie sie die Veränderungen in ihrem Stadtteil wahrnehmen, erzählen die Finkenwerder selbst. Das Hamburger Abenblatt kommentierte die Sendung damals wie folgt: „Dass von Gorch Focks Finkenwerder nicht mehr allzuviel übrig geblieben ist, kann kaum überraschen. Aber wie sehr der ehemaligen Elbinsel vom sogenannten Fortschritt zugesetzt wird, ist doch erschreckend… (Die Autoren) redeten in ihrem lobenswerten Bericht …gewiß keiner unrealistischen Idylle das Wort, wohl aber lebenswerte Bedingungen“.

FUNDSTÜCK
Wir finden immer wieder Hinweise auf die Behandlung von KZ-Häftlingen bei der DW:
„Das Verhalten der DW-Arbeiter gegenüber den Häftlingen ist eines deutschen Arbeiters unwürdig. Ich verlange schärfste Heranziehung zur Arbeit und jegliche Zuweisung von Lebensmittel und Rauchwaren sind zu unterbinden. Sollte dies nicht befolgt werden, werde ich nicht davor zurückschrecken, diejenigen der Gestapo zu übergeben“. Auszug von Zeugenaussagen an den Betriebsrat der DW vom 11.06.1945

Der Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ Neuengamme ehrt die vielen Opfer der Nazi-Diktatur am 13.11.11 mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal Ecke /Rüschweg/Neßpriel um 15.00 Uhr Ab 16.00 Uhr zeigt der Arbeitskreis anlässlich der 775-Jahrfeier Finkenwerders 2011 im Gemeindesaal der St. Nikolai-Kirche, Finkenwerder Landscheideweg 157, den Film aus dem Archiv der Landesmedienzentrale Hamburg über die 700-Jahrfeier 1936 mit anschließender Diskussion. Es folgt eine Filmdokumentation über Finkenwerder aus dem Jahr 1981. V.i.S.P.:Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ-Neuengamme, c/o H. Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12, 21129 Hamburp