Gedenkveranstaltung / Kranzniederlegung am 18.11.2018

Die Finkenwerder Geschichtswerkstatt erinnert seit 1998 mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nazi-Terrors anläßlich der Pogrome von 1938. In diesem Jahr ist es 80 Jahre her, dass die Nazis die Verzweiflungstat eines jungen polnischen Juden in der deutschen Botschaft Paris zum Anlass nahmen, den „spontanen Volkszorn“ zu organisieren. Vom 9. auf den 10. November 1938 brannten die Synagogen, wurden jüdische Geschäfte zerstört und geplündert, wurden jüdische Mitbürger geschlagen und ca. 20.000 von ihnen in das KZ-Dachau eingeliefert.
Diskriminierung und Verfolgung erfuhren in der Nazi-Zeit etliche Gruppen, die aus politischen oder Glaubensgründen nicht mit den verbrecherischen neuen Machthabern einverstanden waren oder ihren kruden „Rasse- und Reinheitsgesetzen“ nicht entsprachen. Dazu gehörten unter anderem auch die Homosexuellen. Unsere diesjährige Veranstaltung ist dieser Gruppe gewidmet.

Nach der Kranzniederlegung am Mahnmal, Ecke Rüschweg/Neßpriel um 15.00 Uhr, berichtet der Historiker Dr. Gottfried Lorenz im Gemeindesaal der St. Nikolai Kirche, Finkenwerder Landscheideweg 157, um 15.30 über das Schicksal der Homosexuellen vor, während und nach der NS-Zeit.

Ausstellung REVOLUTION 1918

Am 31.Oktober startet die Finkenwerder Geschichtswerkstatt mit ihrer dritten diesjährigen Ausstellung. Sie erinnert an die dramatischen Veränderungen in Europa nach Beendigung des Ersten Weltkrieges als die alten Ordnungen sich auflösten und die unterprivligierten Klassen aufbegehrten. Es begann in Russland. Deshalb zeigt die Ausstellung zunächst Plakate aus der Zeit der russischen Revolutiionsjahre 1917-1920.

Die Plakate drückten zu ihrer Zeit die Besorgnisse, die Befürchtungen, die Hoffnungen, die humanen Ideale von Millionen Menschen aus in einem Kampf, der für sie nur mit einem Rückfall in den dunkelsten der Abgründe oder mit einer strahlenden Wiedergeburt enden konnte. Alle diese in sehr verschiedenen Stilen gearbeiteten Plakate sind durch den revolutionären Impuls geeint, deren Ausdruckkraft zeigt, wie die Kraft einer Idee sich in unterschiedlichen Stilen und Formen ausdrücken kann. Sie verströmen eine Erneuerkungskraft, das Gefühl eines ungeheuren Aufatmens, einer Bewegungsfreiheit, die die Revolution und deren Ideen für die Hoffnungen und die Intelligenz der Menschen und für die erhabene Idee einer gerechten und gleichen Gesellschaft in sich trug. Das betrifft besonders Plakate, welche die Kampagne gegen das Analphabetentum, der Gefahr einer Hungersnot oder gegen Antisemitismus und Prostitution betreffen. Ergänzt wird die Ausstellung mit Texten zur Revolution in Hamburg.
Die Ausstellung in der Fritz-Schumacher-Kapelle wird am 31.Oktober 2018, 15 Uhr eröffnet und ist danach bis Mitte Dezember jeden Dienstag 14-16 Uhr und Donnerstag 14-16 Uhr zu besichtigen. Außerhalb dieser Zeiten auf Anfrage unter 040 7427992.

Tag des offenen Denkmals 2018

7. – 9. September

Fritz-Schumacher-Kapelle Finkenwerder

Die von Fritz Schumacher 1926 entworfene Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder wurde 2014/15 renoviert. 2016 folgte die Freilegung der Dekorationsmalerei am Bogensturz. Die Kapelle wurde der Finkenwerder Geschichtswerkstatt zur Nutzung überlassen. Es finden Ausstellungen und Veranstaltungen statt, zudem dient sie als außerschulischer Lernort. Durch die Besonderheit des Ortes mit Kriegsgräbern aus zwei Weltkriegen liegt der thematische Schwerpunkt bei Krieg, Vertreibung, Migration und Integration.
Veranstalter: Finkenwerder Geschichtswerkstatt im KFN-Kunstförderung Nord

Norderkirchenweg / Finkenwerder Landscheideweg
Offen: Sa. 10–18 h,
So. 10–17 h
Führung: halbstündlich (Kapelle), laufend (Friedhof) Programm: Ausstellung, Informationen zur Geschichtswerkstatt
Kutterhafen Finkenwerder

Seit 1994 liegen segelnde ehem. Berufsfahrzeuge im Kutterhafen. Die stählernen Ewer FRIEDA und JOHANNA sicherten Anfang des vorigen Jahrhunderts den Warenstrom zwischen Hamburg und den niederelbischen Marschen. Sie transportierten Baumaterial aus den Ziegeleien der Unterelbe, Obst und Gemüse aus dem Alten Land sowie Stückgüter wie Kisten und größere Gepäckstücke. Komplettiert wird das Ensemble durch den kleinen Haseldorfer Ewer DIE VERÄNDERUNG, den ehemaligen Fischkutter HF 329 WILMA und das Kulturschiff ALTENWERDER. Auf der alten ausrangierten Hafenfähre finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Veranstalter: Finkenwärder-Gaffel-Gemeinschaft e. V.

Köhlfleet-Hauptdeich
Offen: Sa. 11–17 h, So. 11–16 h
Führung: nach Bedarf

Hamburg Elbabwärts 1875

Eine Ausstellung der Finkenwerder Geschichtswerkstatt in der Fritz-Schumacher-Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder am Norderkirchenweg. seit 05. Mai 2018

Illustrationen der Zeichner Gustav Schönleber, Johannes Gehrts und Hans Bartels aus den Jahren 1874-79. Die Künstler haben damals die gesamte deutsche Ostsee- und Nordseeküste bereist. Die Ausstellung zeigt Zeichnungen aus Hamburg, dem Elbebereich sowie Helgoland.

Kurzbiografien der Künstler:

Johannes Gehrts
geboren am 26.02.1855 in St. Pauli
gestorben 05.10.1921 in Düsseldorf
Mitglied der Düsseldorfer Malerschule, arbeitete als Maler und Kostümbildner und gilt als bedeutendster Buchillustrator des 19. Jahrhunderts.

Hans Bartels
geboren am 25.12. 1856 in Hamburg
gestorben 05.10.1913 in München
Mitglied im Hamburger Künstlerverein von 1832, thematisch beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem Meer, seine Bilder wurden für ihre Energie gerühmt.

Gustav Schönleber
geboren am 03.12.1851 in Bietigheim
gestorben am 01.02.1917 in Karlsruhe
Studierte Landschaftsmalerei in München und galt als der bedeutendste und eigenwilligste schwäbische Realist und Impressionist seiner Zeit.

Edmund Hoefer
geboren am 15.10.1819 in Greifswald
gestorben am 22.05.1882 in Cannstadt
Studierte Philologie und Geschichte, Mitbegründer der Zeitschrift Hausblätter und arbeitete als Novellist und Literaturkritiker. Seine Vorzüge waren eine energische und lebendige Charakteristik in seinen Schilderungen von Landschaften und der häuslichen Umgebung seiner Gestalten.

JohannesWedde (Autor Hamburg)
geboren am 15.01.1843 in Uelzen
gestorben am 13.01. 1890 in Lübeck
Studierte Geschichte und Staatswissenschaft und arbeitete als Redakteur und Herausgeber von Zeitungen wie das „Hamburger Echo“. Er schrieb außerdem Novellen sowie Gedichte. Als Mitglied der Sozialdemokratie nahm er 1889 am Gründungskongress zur II. Internationale in Paris teil. Bei seinem Tod zeigte sich die Wertschätzung der Bevölkerung: 25.000 Hamburger folgten seinem Sarg.


Hopfenmarkt und Nikolaikirche in Hamburg (Gustav Schönleber)


Pariser Elbbrücken in Hamburg (Johannes Gehrts)


Hamburger Hafen (Hans Bartels)


Blick auf die Elbe und den Hamburger Hafen (Franz Gehrts)


Am Strand von Blankenese (Gustav Schönleber)


Zwischen den Elbmarschen (Gustav Schönleber)


Helgoland (Gustav Schönleber)

Vernetzen Beteiligen Gestalten

Dokumentation der 8. Lokalen Bildungskonferenz Finkenwerder

Montag, den 18. Juni 2018, von 14:30 bis 18:00 Uhr
in der Geschichtswerkstatt Finkenwerder (Fritz-Schumacher-Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder) Norderkirchenweg, 21129 Hamburg

Themenschwerpunkt:
„Aktiv für Finkenwerder – Wir arbeiten weiter!“
Moderation: Anita Hüseman
Protokoll: Josephine Koschak, RBK-Geschäftsstelle

Flyer als PDF

Die Kinder vom Bullenhuser Damm

Wanderausstellung

Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Kinder vom Bullenhuser Damm, vom Auffinden der Angehörigen, von der jährlichen Gedenkfeier, von dem Internationalem Jugendprojekt zum 70. Jahrestag im Jahr 2015, den Gedanken der internationalen Jugendlichen zu dem Thema und endet im Heute: Wann fängt Diskriminierung an?

Finkenwerder Geschichtswerkstatt in der Fritz-Schumacher-Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder am Norderkirchenweg

vom 10. Juni bis 10. Juli 2018
geöffnet dienstags und donnerstags 16-19 Uhr oder für Schulen und Gruppen nach Vereinbarung

Ausstellungseröffnung am 10. Juni 15:00 Uhr

Eine Initiative der Vereinigung vom Bullenhuser Damm e.V.

gefördert vom Bezirksamt Hamburg-Mitte

Gedenkveranstaltung 70 Jahre nach Kriegsende – der „vergessene Holocaust“

14:00 Uhr: Kranzniederlegung am Mahnmal Rüschweg/Neßpriel mit „Isle of Gospel“
15:00 Uhr: Elternschule, Norderschulweg 7
 

Wegbereiter und Täter
Prof. Dr. Otmar Freiherr von Verschuer war der führende Rassenhygieniker der NS-Zeit und ab 1942 Direktor des Kaiser-Wilhelm Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Der Machtantritt der Nazis bot ihm die Möglichkeit, seine auf elitären, rassistischen und inhumanen Grundsätzen beruhenden Forschungen voranzutreiben.

Prof. Dr. Fritz Lenz gründete bereits 1909 mit Eugen Fischer eine Ortsgruppe der Gesellschaft für Rassenhygiene. Mit dem Grundriss der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene 1921, wurde er in der Weimarer Zeit eine zentrale Figur für Rassenfragen. Er unterschied zwischen minderwertigem oder gar unwertem Leben als Vordenker der Vernichtung. Er schuf die geistigen Voraussetzungen und gab die akademischen Weihen für die grausamen Taten gegen Menschen, denen er das Lebensrecht absprach.

Dr. Dr. habil. Robert Ritter trat noch als Schüler 1918 in ein Freikorps ein. Er beginnt seine medizinische Karriere in der Jugendpsychiatrie, zuständig für die Begutachtung von schwer erziehbaren Jugendlichen. Später profilierte er sich als Wissenschaftler auf dem in NS-Zeiten so prestigeträchtigem Feld der Rassenhygiene. Er wird Institutsdirektor bei der neu geschaffenen Rassenhygienischen und Bevölkerungsbiologischen Forschungsstelle und überzeugt die Nazis von radikalen Maßnahmen gegenüber „Fremdrassigen“.

Artur Nebe begann nach dem ersten Weltkrieg den Dienst bei der Berliner Polizei. 1931 trat er, trotz formellen Verbots, der NSDAP bei, wurde förderndes Mitglied der SS und SA-Mann. 1933 setzte Nebe früh auf die Machtkonstellation Himmler und Heydrich und machte schnell Karriere. Als Leiter des Reichskriminalpolizeiamtes war er für die polizeiliche Erfassung, Überwachung und spätere Deportation der Sinti und Roma zuständig. Als Chef der Einsatzgruppe B war Nebe verantwortlich für den Mord an 45.000 Menschen. Hierzu gehören auch Gas-und Sprengversuche an geistig Behinderte in Minsk und Mogilew. Nebe selbst schlug vor, Sinti und Roma für Kälteschock- und Meerwasserversuche zu missbrauchen. Der sehr geschmeidige Nebe fiel wegen seiner Kontakte zu Personen des Widerstands 1944 bei Himmler in Ungnade. Anfang März 1945 wurde er nach einem nichtöffentlichen Verfahren vor dem Volksgerichtshof hingerichtet

Prof. Dr. Hermann Lundborg: Der schwedische Arzt und Forscher war seit 1921 Professor für Rassenbiologie an der Universität in Uppsala und Ideengeber und Gründungsdirektor des Staatlichen Rassenbiologischen Instituts. Er lud deutsche Forscher wie Fritz Lenz, Erwin Bauer, Otmar von Verschuer zu Vorlesungen ein. Es gab einen regen Austausch. Einer der ersten Besucher war Eugen Fischer. Er zeigte sich sehr beeindruckt von der umfangreichen und gut sortierten Fotosammlung lappländischer, finnischer und nordischer Rassentypologie, insbesondere der Nacktaufnahmen. Lundborg führte Messungen an der Bevölkerung in ganz Schweden durch und sammelte Daten von über 100.00 Personen — mit einer durchdachten Dokumentation und mit statistischen Angaben, die den Deutschen als Vorbild für ihre Rassenerfassung dienten.
 

Die Zeit nach 1945
Während nach 1945 die Verfolger und Peiniger juristisch nicht zur Verantwortung gezogen wurden, ihre Karrieren fortsetzten und, als Gutachter bestellt, die Entschädigung der Opfer verhinderten, blieben in der deutschen Mehrheitsgesellschaft die alten rassistischen Vorurteile und Diskriminierungen gegenüber den Sinti und Roma ungebrochen erhalten. Die überlebenden Opfer und ihre Nachkommen mussten sich selbst weitgehend ohne Unterstützung durch andere gesellschaftliche Gruppen gegen Benachteiligungen und Diskriminierungen verteidigen.
Obwohl beim Nürnberger Prozess 1946 die Roma und Sinti laut Anklage als Opfer des systematischen Mordprogramms der NS-Rassenideologie galten, erreichten sie erst 1982 ihre offizielle Anerkennung als Opfer eines Völkermords durch die Bundesrepublik. Die soziale Situation der Sinti und Roma in Deutschland und Europa bleibt weiterhin prekär und gefährdet, besonders in ökonomischen und politischen Krisenzeiten wie den gegenwärtigen. Vor allem sind die alten Begriffe und Zuschreibungen aus dem heutigen Sprachgebrauch zu streichen, die für die Menschen dieser Minderheiten absichtlich diskriminierend gewählt wurden, um ihre Ausgrenzung bis zum Mord zu legitimieren. (Daten und Texte aus der Dokumentation des Theater-Projekts 2015 „ZUR ENDLÖSUG DER ZIGEUNERFRAGE“ vom HISTORIKERLABOR Forschen/Darstellen/Erinnern)

Die Verfolgung der Sinti und Roma unter den Nationalsozialisten hat erst sehr spät Aufmerksamkeit in Deutschland bekommen. Stattdessen wurden Diskriminierung und Verfolgung lange über 1945 hinaus fortgesetzt. Oftmals mit den Personen aus Justiz, Kriminalpolizei und Verwaltung, die bereits in der NS-Zeit hierfür zuständig waren und/oder daran mitgewirkt hatten. Erst die Aufsehen erregenden Aktionen dieser Opfergruppen in Bergen-Belsen und Dachau 1979 und 1980 zeigten Erfolge.

1982 erkannte der Bundeskanzler Helmut Schmidt als erster deutscher Spitzenpolitiker die NS-Verfolgung als rassistisch motivierten Völkermord an. In der Folge konnten immerhin einige Überlebende ihre Ansprüche auf bis dahin verweigerte Entschädigungszahlungen durchsetzen.
Das zentrale Mahnmal zum Gedenken an ihre Opfer wurde erst 2012 nach jahrelangen, entwürdigenden Debatten über die Inschrift in Berlin eingeweiht.

Am 27. Januar 2011 hielt das erste Mal ein Sinto, der Unternehmer Zoni Weisz aus den Niederlanden, im deutschen Bundestag eine Rede zum Gedenktag für die Opfer der Nationalsozialismus und nannte den Völkermord an den Sinti und Roma den „Vergessenen Holocaust“. Er beklagte, dass angesichts der aktuellen Benachteiligungen von Sinti und Roma in weiten Teilen Europas wenig aus dem Verbrechen gelernt worden sei.
 

Ausgrenzung und Genozid an den Sinti und Roma in Europa 1933 – 1945

Die Zahl der im nationalsozialistisch besetzten Europa und in den mit Hitler-Deutschland verbündeten Staaten ermordeten Sinti und Roma wird auf eine halbe Million geschätzt. Von den 35.000 bis 40.000 erfassten deutschen und österreichischen Sinti und Roma werden etwa 25.000 ermordet.

Seit 1996 wird jeweils am 27. Januar bundesweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und an den Holocaust erinnert. Nur wenigen ist bewusst, dass auch Sinti und Roma massenhaft verfolgt und ermordet wurden. Die NS-Rassenideologie war nicht einer Wahnidee Hitlers entsprungen. Schon lange vor dem NS-Machtantritt konstruierten „Rassenforscher“ „Rassensysteme“, die die Nazis für ihre Rassenpolitik übernahmen. Anthropologen, Mediziner, Psychologen und Juristen, die sich selbst zu den „rassisch Wertvollen“ zählten, beanspruchten die Definitionsmacht über Menschen, denen sie biologische und kulturelle „Minderwertigkeit“ im Vergleich zur „Überlegenheit“ der europäischen „Hochrasse der Arier“ unterstellten. Die „Ungleichheit“ von Menschen behaupteten sie, beruhe auf unveränderlichen Erbanlagen. Als Berater der NS-Politik propagierten sie Juden sowie Sinti und Roma als „Fremdkörper“ aus dem „deutschen Volkskörper“ zu entfernen und hatten keine Skrupel, sie in den Lagern für ihre „Forschungen“ zu missbrauchen.

V.i.S.s.d.P.: Finkenwerder Geschichtswerkstatt, Helrnke Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12. 21129 Hamburg

Euthanasiemorde

09. November 2014, 15:00 Uhr Kranzniederlegung am Mahnmal Rüschweg/Neßpriel. 19:00 Uhr im Gemeindesaal St. Nikolai, Fkw. Landscheideweg 157.
Die NS-Rassenlehre
Nach der NS-Rassenlehre war das arische deutsche Volk „vollkommen“ und für die Herrschaft über andere Völker bestimmt Eine Konsequenz dieses Wahns war das am 14. Juli 1933 erlassene Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Es ermöglichte die Zwangssterilisation.
„Erbkranke“ konnten ihre eigene Sterilisation beantragen, was kaum vorkam. Antragsberechtigt waren außerdem die gesetzlichen Vertreter sowie beamtete Ärzte und Anstaltsleiter. Die im Gesetz aufgeführten „Krankheiten“ waren nicht eindeutig. Arbeitslose, Prostituierte, Bettler, „Asoziale“ oder sozial auffällige Personen waren vom Gesetz eigentlich nicht betroffen. Die Hamburger Gesundheits- und Fürsorgebehörde betrieb bereits im Herbst 1933, Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes am 01. Januar 1934, die Erfassung „erbminderwertiger“ Menschen und deren Anzeige zur Sterilisation. Innerhalb kurzer Zeit sichteten die Fürsorgerinnen und Amtsärzte sowie das ärztliche Personal der Heil- und Pflegeanstalten alle Akten. Dabei wurde der Ermessensspielraum sehr eng gegen die Betroffenen ausgelegt. Wer den Prüfenden als „minderwertig“, „moralisch schwachsinnig“ oder „asozial“ galt, wurde gemeldet. In Hamburg fällte das Erbgesundheitsgericht 15816 Sterilisationsbeschlüsse, hinzu kommt eine unbekannte Zahl aus Wandsbek, Altona und Harburg-Wilhelmsburg.
FINKENWERDER SCHICKSALE
Pauline L. hatte mit einem Chinesen aus dem Chinesenviertel auf St Pauli 2 Kinder. Die Verbindung entsprach nicht dem Rassegesetz der Nazis. Der Vater konnte vor der Räumung des Viertels rechtzeitig nach Holland emigrieren. Die Mutter stand unter der Beobachtung der Sozialbehörde und wurde durch den Beschluss des Erbgesundheitsgerichts zwangssterilisiert. Die Kinder lebten mit ihrem Großvater als Ausgebombte in der Dradenausiedlung, später in Finkenwerder. An den Beschlüssen des Gerichts waren Beisitzer beteiligt. Unter anderem der auch später noch hochgeehrte Prof. an der Universität Hamburg, Dr. Hans Bürger-Prinz.

Jakob M. aus Finkenwerder stand wegen seiner Zugehörigkeit zu den Bibelforschern vor dem Hanseatischen Sondergericht. Durch seine Aufgeregtheit veranlasste das Gericht, ihn zunächst auf seine strafrechtliche Schuldfähigkeit zu untersuchen. Aus seiner Krankenakte ging dann hervor, dass er 1934 in der Krankenanstalt Friedrichsberg wegen einer Kopfgrippe auf seinen Geisteszustand hin beobachtet und aufgrund der Diagnose „Schizophrenie“ – die häufigste Begründung dafür – zwangssterilisiert wurde. Tatsächlich lebte Jacob M. bis zu seinem Tod völlig unauffällig und normal.

Anna D.’s Mutter wurde das Sorgerecht entzogen, als angeblich erziehungsunfähig, da ihr älterer Sohn Kommunist war. Anna D. kam mit 12 ins Heim, wurde mit 15 sterilisiert und mit 18 in das Arbeitshaus Farmsen eingeliefert Dort und auch im Arbeitslager Tiefstack musste sie schwere körperliche Arbeit verrichten. Ihr Vormund war die leitende Mitarbeiterin der Sozialbehörde Käthe Petersen. Erst 1957 wurde Anna nach langen und schweren Jahren bemündigt. April 1998 starb sie und wurde auf dem Finkenwerder Friedhof beerdigt

Margarete 0. 1902 geboren, war unverheiratet und arbeitete als Hausangestellte. Nach einem Krankenhausaufenthalt kam sie zurück in ihr Elternhaus, da sie nicht mehr arbeitsfähig war. Gretel, wie sie genannt wurde, kam 1937 in eine Heil- und Pflegeanstalt in Neustadt/Holstein. 1938 besuchte ihre Nichte sie dort, gemeinsam mit ihrem Vater, dem Schwager von Gretel. Sie schien in guter körperlicher Verfassung zu sein, war aber sehr erregt und wiederholte ständig die Worte: „Ik will hier rut. Willi un Hans schöt mi holn.“ Das waren ihre Brüder. Um 1941 herum bekam die Familie die Nachricht, dass Gretel nach einer Verlegung in eine Anstalt in den Osten an einer Krankheit verstorben war.

Hermann Q. wurde März 1936 geboren. Er hatte zwei ältere Geschwister. Hermann war das Sorgenkind der Familie. Er entwickelte sich nicht so wie gleichaltrige Jungen. Zwei Jahre später bekam die Mutter einen weiteren Sohn. 1940 ließ sie sich dazu bewegen, Hermann in die
„Alsterdorfer Anstalten“ zu geben, in der Hoffnung, dass er dort besser betreut werden könnte. Doch im August 1943 wurde er in die „Heil- und Pflegeanstalt Eichberg“ verlegt, wo sein Leben einen Monat später endete. (nach Recherchen einer Projektgruppe des Gymnasiums mit Unterstützung von Klaus Möller.)

Paula. H. wurde 1895 als viertes Kind einer Fischerfamilie geboren. Sie entwickelte sich nicht altersgerecht und musste intensiv betreut werden. Ihre Mutter versorgte sie mit viel Geduld und Hingabe bis sie selbst 1931 starb. Wer nach dem Tod der Mutter Paula betreute, ist unklar.
1937 wurde sie jedenfalls in die Alsterdorfer Anstalten eingeliefert. 1943 gehörte Paula zu den Patienten, die nach Wien verlegt wurden. Hier starb sie an fehlender Pflege und Mangelernährung 1944. (recherchiert von Klaus Müller, Initiative Gedenken in Harhurg)

Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr schrieb Theophil Wurm, Landesbischof der Ev. Landes-Kirche in Württemberg, in einem Brief an den Reichsinnenminister anlässlich der „Euthanasie“-Morde. Doch 1933 konnten die Nazis nahtlos daran anknüpfen, dass die meisten Juristen, Lehrer, Ärzte, Pflegepersonal und Sozialbehörden-Mitarbeiterinnen sowie Fürsorgerinnen den Gedanken der „Rassenhygiene“ zustimmten. Das galt auch für das Personal in den
Einrichtungen der Diakonie und Caritas. Denn bereits in der Weimarer Zeit sollte die „Bestenauslese“ nicht durch falsch verstandene Humanität gestört werden. Die Ressourcen der Gesellschaft sollten „hochwertigen“ Menschen dienen, nicht „minderwertigen“ Personen. Je größer das Massenelend in der Wirtschaftskrise wurde, desto mehr galt die Eugenik mit Auslese und Ausmerzung als Lösung. Mit dem 1933 erlassenen NS- Erbgesundheitsgesetz wurde ein nicht eindeutig bestimmbarer Personenkreis, den die Hamburger durch ein Konstrukt des „angeborenen moralischen Schwachsinns“ erheblich erweiterten, zwangssterilisiert. Ab 1940 folgten Krankenmorde. Psychisch Kranke und Behinderte, sog. „Ballast-Existenzen“ wurden zunächst verlegt, dann in Tötungsanstalten vergast. Nach Protesten ging das Morden weiter, verdeckt und dezentral durch Gift, fehlende Pflege und Mangelernährung.
DIE JUDENPOGROME 1938
Unmittelbarer Auslöser war das Attentat in der deutschen Botschaft in Paris auf den Gesandtschaftsrat Ernst vom Rath durch Herschel Grynszpan. Herschel Grynszpan, geboren in Hannover, emigrierte mit 14 Jahren 1935 zu Verwandten nach Paris, weil es in Deutschland keine Zukunft mehr für Juden gab. Dort erfuhr er, dass die Nazis seine Eltern mit zigtausenden weiteren polnischstämmigen Juden zwangsweise und unter erbärmlichen Umständen in das Niemandsland an die polnische Grenze deportiert hatten. Der verzweifelte junge Mann besorgte sich einen Revolver und schoss am 07. November auf den Gesandtschaftsrat, der zwei Tage später an der Schussverletzung starb.
Die führenden NS-Vertreter hielten sich zu diesem Zeitpunkt in München auf, wo das traditionelle Treffen zur Erinnerung an den 1923 gescheiterten Putsch stattfand. Diese Verzweiflungstat war ein hochwillkommener Anlass, um sofort nach der Todesmeldung Einsatzbefehle für „spontane Vergeltungsaktionen“ an die einzelnen Dienststellen zu übermitteln. Die deutschen Juden sollten gedemütigt, isoliert, eingeschüchtert und unter Zurücklassung ihres Besitzes zur Ausreise gezwungen werden. Die Pogrome waren der Beginn der „Endlösung“ und endeten mit dem millionenfachen Mord an den Juden. V.i.s.d.P. Finkenwerder Geschichtswerkstatt, Helmke Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12.

75. Jahrestag der November-Pogrome 1938 – Erinnerung und Mahnung

10. November 2013
Der Tuchhändler Hermann Rimberg
Herr Rimberg besaß in der Elbstraße 96 nicht nur einen Tuchhandel, sondern führte in Finkenwerder zunächst gemeinsam mit seinem Kompagnon Auerbach auch einen Laden für Stoffe und Kurzwaren am Fkw. Norderdeich 20. Bis Nov. 1938 hatte er ihn weitgehend ausgeräumt und die Waren an seine Kunden in Finkenwerder verschenkt. Er entkam den Pgromen mit seiner Frau und seine beiden Kinder Max und Mary. Sie waren bereits nach N.Y. emigriert.
VERNICHTUNG DURCH ARBEIT

Der Rassenwahn und Vernichtungswille der Nazis richtete sich nicht allein gegen Juden, sondern umfasste sämtliche Feinde der Nazi-Ideologie, wie Kommunisten, Sozialisten, „Volksschädlinge“, Unangepasste, Liberale, Homosexuelle, Sinti und Roma und nach September 1939 insbesondere die osteuropäischen Völker. Sie wurden in großer Zahl umgebracht, vertrieben, versklavt und nach Deutschland verschleppt. Da Finkenwerder ein wichtiger Rüstungsstandort war, schufteten viele Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus ganz Europa während des Krieges unter teilweise unmenschlichen Bedingungen auf den Baustellen und Betrieben im Stadtteil. Die schwere körperliche Arbeit verbunden mit mangelhafter Ernährung, unbeschreiblichen hygienischen Bedingungen und unzureichender ärztlicher Versorgung überlebte eine unbekannte Anzahl dieser Menschen nicht. Einige wenige von ihnen wurden, da direkt vor Ort an den Folgen gestorben, auf dem Alten Friedhof Finkenwerder verscharrt. Mit einer Liste dieser Personen konnten wir feststellen, dass ihre sterblichen Überreste 1957 nach Ohlsdorf überführt wurden, wo sie endlich, soweit namentlich bekannt, mit Daten auf einem Grabstein eine angemessene letzte Ruhestätte erhielten.
AUFGETAUCHT

Ab 1941 begann die Deutsche Werft auf Befehl der Wehrmacht (Oberkommando Kriegsmarine) mit dem Bau des U-Bootbunkers, der im zweiten Abschnitt 1944 auf fünf Kammern erweitert wurde. Insgesamt wurde die enorme Menge von 130 000 Kubikmetern Stahlbeton mit einem Gewicht von 263 000 Tonnen verarbeitet. Der Bunker hatte extrem massive Wände und die Decken waren 3,50 und vier Meter dick. Die gesamte Bunkeranlage hatte eine Abmessung von 150 x 200 Meter. In den Boxen wurden die U-Boote ausgerüstet, repariert und gewartet. An den U-Booten wurden auch die Mannschaften ausgebildet. Erst als die Alliierten durchschlagskräftigere Bomben bauen konnten, durchbrachen Treffer die Bunkerdecke. Dabei starben 58 Menschen und 120 wurden verletzt. Kurz darauf war der Krieg ohnehin zu Ende. 1946 versuchten die Briten eine Sprengung. Dabei stürzte die Decke ein, die Seiten und Zwischenwände blieben weitgehend erhalten. Nach dem Abtrag auf 5.70 über NN, der Verfüllung und der Erhöhung der Bunkerfläche 1996 wurden die Reste unsichtbar. Erst als 2002 im Zuge der Start- und Landebahnverlängerung für Airbus der Berg abgetragen wurde, tauchte die monströse Ruine wieder auf. Die städtische Realsierungsgesellschaft ReGe entschloss sich, eines der letzten Zeugnisse des faschistischen Regimes in Finkenwerder als Denkmal herzurichten. Das Denkmal wurde 2006 der Öffentlichkeit übergeben als Erinnerung und Mahnung.
Die November-Pogrome 1938
Das Attentat auf Ernst vom Rath

Ein verzweifelte junger Mann, Herschel Grynszpan, geboren in Hannover, war mit 14 Jahren 1935 zu Verwandten nach Paris emigriert, weil es in Deutschland keine Zukunft mehr für Juden gab. Er hörte dort, dass die Nazis seine Eltern 1938 mit zigtausenden weiteren polnischen Juden und. deutschen Juden mit polnischen Wurzeln zwangsweise und unter erbärmlichen Zuständen an die polnische Grenze deportiert hatten. Er besorgte sich einen Revolver und schoss am 07. November 1938 in der deutschen Botschaft auf den Gesandtschaftsrat Ernst vom Rath, der am 09. November an den Schussverletzungen starb. Die führenden NS-Vertreter hielten sich zu diesem Zeitpunkt in München auf, wo das traditionelle Treffen zur Erinnerung an den 1923 gescheiterten Putsch stattfand. Die Verzweiflungstat war willkommener Anlass für das Regime, den „Volkszorn“ zu organisieren, als „Vergeltungsaktion“ zu deklarieren und damit in der Nacht vom 09. auf den 10. im gesamten Reich zu beginnen. „Hauptziel“, so der Judenreferent im Auswärtigen Amt, Dr. Emil Schumburg, „der deutschen „Judenpolitik“ sei nun die Auswanderung aller im Reichsgebiet lebenden Juden.“
ALS MORD ERLAUBT WAR (RAPHAEL GROSS)

„Das Jahr 1938 steht für eine neue Dimension der Gewalt gegen Juden, für den Übergang von der Diskriminierung und Entrechtung zur systematischen Verfolgung, Beraubung und Vertreibung. Massiv waren die öffentlichen Gewaltexzesse schon in Wien, beim sogenannten Anschluss Österreichs am 12. März 1938. Den Einmarsch begleiteteten heftige antisemitische Ausschreitungen. Wenige Monate später wurden während der sogenannten Juni-Aktion über 1500 jüdische Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsen-hausen verschleppt, wo sie brutalsten Misshandlungen ausgesetzt waren. Und schließlich die „Reichskristallnacht“. In der deutschen Geschichte gibt es nichts, was mit den Pogromen im November 1938 vergleichbar wäre. Niemals zuvor wurde das staatliche Gewaltmonopol in aller Öffentlichkeit in die Hände einer antisemitischen „Volksgemeinschaft“ gelegt. Niemals standen Hunderttausende Jüdinnen und Juden einer derart aufgehetzten Bevölkerung gegenüber und mussten Schläge und Erniedrigungen, Totschlag und Mord, die Zerstörung ihrer Häuser, Geschäfte und Wohnungen erleiden.

Ein öffentlichlicher Vorgang, kein Geheimnis – eine erste Katastrophe vor der Katastrophe. Mehr noch als das Jahr 1933 und die sogenannte Machtergreifung Hitlers bildet daher der November 1938 eine Zäsur in der Geschichte.“ In Auszügen zitiert aus dem Beitrag von Raphael Gross in der FAZ vom 30 August 2013. V.i.S.d.P.: Helmke Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12, Hamburg