08. Mai 2004, 15:00 Uhr Fahrradtour, 17:00 Uhr U-Boot-Bunker Fink II
 

Mahnmal Ecke Rüschweg / Neßpriel.
Ende 1944 wurde das Außenlager Deutsche Werft des KZ-Neuengamme belegt. Vorher hatten in dem Lager zwangsdeportierte Familien aus Osteuropa gelebt.

Fundamente des U-Boot-Bunkers Fink II.
Wieder freigelegt durch die neue Airbus-Start- und Landebahn. Der Bunker war auch Schutzbunker für die Zivilbevölkerung, Werftarbeiter , Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge.

Kesselschmiede der Deutschen Werft
Anbau vermutlich von Zwangsarbeitern errichtet. Bahngelände, Güterbahnhof, Gasflaschen für die Sperrballons.

Finksweg/Blick auf ehem. Werftgelände.
z. B. Sauerstoffanlage und Verwaltungsgebäude. Lager befanden sich auf dem Werftgelände und außerhalb auf dem Vorland I.

Uferpromenade Stackmeisterei.
Blick auf Lotsenhöft, Ölhafen und Dampferbrücke. Hinweis auf „Führerstadt“.

Fischereihafen am Stack.
Erinnerungsstein, Einsatz der Fischer im Krieg als Minensucher und für Flüchtlingstransporte. Deich in Höhe Esso-Tankstelle.
Altenwerder Werft Berendson. Exekution, Misshandlung durch Kapos. Kunst am Bau.

Emderstraße/Uhlenhofweg,
Plattensiedlung Badolio-Häftlinge, Misshandlung KZ-Häftling, Familie Grünwald.

Elternschule, Norderschulweg 7,
U-Boot-Bunker FINK II
Geschichte und Erinnerungen von Zeitzeugen.
 

ERLEBNISBERICHTE

Ein 12järiger Finkenwerder Junge erlebte die Luftangriffe 1944/45 auf der Deutschen Werft und beobachtete auch, wie dabei mit den KZ-Häftlingen umgegangen wurde:

Beim Angriff auf den U-Boot-Bunker am 09.April 1945 war er zufälligerweise nicht auf dem Gelände, hörte aber, dass es etliche Tote und Verletzte gegeben hatte. Ende 1944 hatte er bei einem Luftalarm den Flakbunker K gerade noch rechtzeitig aufgesucht. Als er ihn nach dem Angriff endlich wieder verlassen konnte, sah er, dass im Eisengerippe der zerstörten Schiffbauhalle die Leichen der von den Bomben überraschten KZ-Häftlingen hingen. Diesen entsetzlichen Anblick hat er bis heute nicht vergessen.

Ein ehemaliger KZ-Häftling, damals 20jährig,erlebte die Luftangriffe auf der Werft von Januar bis
März 1945:

Da es in der Zwischenzeit innerhalb von 24 Stunden bis zu 3 große Luftangriffe gab,wurde dies neben dem Hunger, der Kälte und der Müdigkeit nach 12 Stunden Arbeit zu einer großen Belastung. Alle Gefangenen, die sich bei einem Luftangriff im Lager aufhielten, wurden mit Schlägen, Tritten, Schreien und Hundegebell im Laufschritt in den U-Boot-Bunker getrieben. Dort standen sie in der dünnen Häftlingskleidung „zu Fünfe“ in Reih und Glied vor Kälte zitternd auf dem Rand der Bassinkante über den großen U-Booten.

Ein junger Zwangsarbeiter, der mit seinem Bruder aus der Ukraine nach Finkenwerder deportiert war und als Schweißer auf der Werft eingesetzt wurde, hat den schweren Bomben-angriff am 09. April 195 erlebt:

Beim Alarm lief er mit seinem Bruder in den U-Boot-Bunker, der seinem Lager gegenüber lag. Bereits bei Hineinlaufen begann der Angriff. Einige Bomben trafen den Bunker direkt und durchbrachen an drei Stellen die Bunkerdecke. Man hörte Menschen weinen, schreien und stöhnen. In dem Durcheinander verlor er seinen Bruder aus den Augen. Erst im Lager hat er ihn wiedergesehen. Die beiden waren überglücklich, den Angriff überlebt zu haben.

Ein junger Marinesoldat ging fast täglich von seiner Dienststelle zum U-Bootbunker: Sein Weg führte ihn von der Neß-Halbinsel entlang des Rüschkanals, durch das Tor zur Deutschen Werft bis zum U-Boot-Bunker. Er bestreitet nicht, dass ein Außenlager der Deutschen Werft des KZ-Neuengamme auf Finkenwerder existiert hat. Aber am Standort links vom Werfttor hat er nur Baracken, sonst nichts gesehen.

Ein 13jähriges Mädchen aus Finkenwerder spielte am 09. April am Neßdeich, als Alarm gegeben wurde: Sie rannte sofort zum U-Boot-Bunker und wartete drinnen auf den Vater. Er brachte sie zur mittleren Kammer, in die Nähe seines Arbeitsplatzes. Plötzlich wurde der Bunker von schweren Erschütterungen bewegt.. Wolken von Staub, Mörtel und Schotter fielen auf die Menschen. Während sie sich an dem Blaumann des Vaters festhielt, zog er eine schwer verletzte Frau aus den Trümmern und band ihr mit seinem Gürtel den Beinstumpf ab.
 

DER U-BOOT-BUNKER FINK II

Bei den Arbeiten für die Landebahnverlängerung wurde die Bunkerruine wieder sichtbar. Gebaut wurde der Bunker FINK II zwischen 1940 und 1942. Die Firmen Wayss & Freytag sowie Beton & Monierbau AG bildeten hierfür eine Arbeitsgemeinschaft. Es ist anzunehmen, dass beim Bau Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. In den zunächst 4, später 5 Boxen konnten jeweils zwei U-Boote hintereinander liegend ausgebaut und repariert werden. Im März und April 1945 wurde der Bunker bombardiert. Beim Angriff am 09. April waren 58 Tote und über 120 Verletzte zu beklagen, überwiegend Zivilisten, denn FINK II wurde auch als Luftschutzbunker von der Zivilbevölkerung benutzt.

Nach Kriegsende wurde der Bunker gesprengt, aber die Seiten- und Trennwände blieben stehen. Anfang der 60er Jahre wurden Teile abgetragen und die Kammern verfüllt. Nach Verfüllung des Neßkanals wurde die Fläche 1996 im Zuge der Rüschparkgestaltung erhöht und als Aussichtsplattform hergerichtet. 2006 ist der fast vergessene Bunker bei den Bauarbeiten für Airbus wieder zum Vorschein gekommen.

Er erinnert an einen Teil unserer Ortsgeschichte, die akzeptiert werden sollte. Die Realsierungsge-sellschaft ReGE plant einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Relikt aus der Nazizeit in einem stark veränderten Umfeld.

V.i.S.d.P.: Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ-Neuengamme, c/ci H. Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12, 21129 Hamburg