Gedenkveranstaltung 05. Mai 1945 – 05. Mai 2005

Fahrrad-Tour

Mahnmal Ecke Rüschweg/Neßpriel.
Okt. 1944 wurde das Außenlager Deutsche Werft des KZ-Neuengamme belegt. Vorher hatten in dem Lager zwangsdeportierte Familien aus Osteuropa gelebt.
Fundamente des U-Boot-Bunkers Fink II
und die neue Airbus-Start- und Landebahn. Der Bunker war auch Schutzbunker für die Zivilbevölkerung, Werftarbeiter , Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Auf der Flugzeugwerft von Blohm &Voss arbeiteten wie auf der DW Zwangsarbeiter.
Norderdeich 20,
Geschäft der jüdischen Kaufleute Rimberg und Auerbach, die durch Auswanderung und Flucht den Holocaust überlebten. Im Hof dahinter arbeitete der „Utlänner“ Kasimir. Er kam freiwillig, erlebte während der Nazizeit zunehmende Diskriminierung und Rassismus.
Uhlenhoff.
Errichtung von Plattensiedlungen durch KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsinternierte wie die italienischen Badoglio-Soldaten. Misshandlung eines Häftlings. Öffentlicher Wohnungsbau für Volksgenossen entlang der Ostfrieslandstraße und auf Fläche B mit Kunst am Bau.
Ostfrieslandstraße 16: Jüdische Nachbarn verschwinden spurlos.
Gründeich am Köhlfleet,
Höhe Esso-Tankstelle. Exekution eines Häftlings. Brutale Behandlung eines Häftlings durch Kapos. Arisierung der Altenwerder Werft Berendsohn. Russisches Kriegsgefangenenlager Rugenberger Straße, die von dort in Fünferreihen zur Arbeit nach Finkenwerder kamen.
Flutschutzpromenade Höhe Pahlwerft.

Einsturz des Wasserturm-Rundbunkers am 09.04.1945 mit vielen Toten. Drohungen gegenüber und Verhaftung von Bibelforschern.
Gorch-Fock-Halle.
Eduard Bargheers Wandmalereien galten den Nazis als entartet und wurden daher „beseitigt“. Kulisse für die 700-Jahr-Feier 1936. Kaufmannsladen im Mewes-Weg mit „Sinnsprüchen“ während und nach der Nazizeit.
Steendiekkanal Sielhaus.
Kesselschmiede-Anbau. Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge arbeiteten auf der Werft. Am Güterbahnhof kamen die Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge an. Hier war auch ein Lager für
Gasflaschen für Sperrballons.
Vorland Schwimmbad.
Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
Dampferbrücke.
Misshandlungen von Häftlingen. Bombardierung des Petroleumhafens am 20.06.1944.
Ortsamt Finkenwerder.
Emanuel Pazourek hatte in Neuenfelde Lebensmittelkarten und andere Bezugskarten gestohlen und im Wirtschaftsamt in Finkenwerder einen Stempel. Er wurde vom Hanseatischen Sondergericht zum Tode verurteilt und die Vollstreckung des Urteils am 29. März 1944 vom Reichsminister der Justiz angeordnet. Der Reichsjustizminister Thierack schrieb am 13.10.1942 an den Reichsleiter Bormann:
Betrifft: Strafrechtspflege gegen Polen, Russen, Juden und Zigeuner.
Sehr verehrter Herr Reichsleiter!
Unter dem Gedanken der Befreiung des deutschen Volkskörpers von Polen, Russen, Juden und Zigeunern und unter dem Gedanken der Freimachung der zum Reich gekommenen Ostgebiete als Siedlungsland für das deutsche Volkstum beabsichtige ich, die Strafverfolgung gegen Polen, Juden, Russen und Zigeuner dem Reichsführer SS zu überlassen. Ich gehe hierbei davon aus, dass die Justiz nur in kleinem Umfange dazu beitragen kann, Angehörige dieses Volkstums auszurotten. Zweifellos fällt die Justiz jetzt sehr harte Urteile gegen solche Personen, aber das reicht nicht aus, um wesentlich zur Durchführung des oben angeführten Gedankens beizutragen. Es hat auch keinen Sinn, solche Personen Jahre hindurch in deutschen Gefängnissen und Zuchthäusern zu konservieren, selbst dann nicht, wenn, wie es heute
geschieht, ihre Arbeitskraft für Kriegszwecke ausgenutzt wird. Dagegen glaube ich, dass durch die Auslieferung solcher Personen an die Polizei, die sodann frei von gesetzlichen Straftatbeständen ihre Maßnahmen treffen kann, wesentlich bessere Ergebnisse erzielt werden…
(
Auszug aus dem Schreiben über die Auslieferung von Justizgefangenen an die
Konzentrationslager. (Nürnberger Dokument NG-558, Institut für Zeitgeschichte München, zitiert aus: Hermann Kaienburg „Das Konzentrationslager Neuengamme 1938 – 1945″.)
Kriegsende in Finkenwerder
Nach 12 Jahren Nazi-Terror und mörderischen Krieg endeten Anfang Mai die Kampfhandlungen in Hamburg. Die englischen Truppen quartierten sich in den Kasernen ein. In Finkenwerder in den U-Boot-Stützpunkt der Kriegsmarine. Die Marine-Soldaten hatten den Stützpunkt am 29.04.45 verlassen, um in Schwarzenbek den Vormarsch zu verhindern. Dort gerieten sie in britische Gefangenschaft. Die Zeit bis zur Übergabe des Stützpunktes an die Engländer nutzten die Finkenwerder Bürger, um die Vorräte und die zurückgelassene Habe der Mariner zu plündern.
Das KZ-Außenlager war da bereits geräumt. Die Überlebenden dänischen Insassen waren durch die Initiative des schwedischen Roten Kreuzes schon vorher nach Skandinavien überführt worden. Andere wurden nach Sandborstel gebracht, wieder andere landeten mit den Bewachern auf Schiffen in der Neustädter Bucht und starben bei der Bombardierung der Schiffe durch die Briten.
Die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen wurden teilweise ebenfalls in den letzten
Kriegstagen noch verlegt, beispielsweise um am „Friesenwall“ zu arbeiten. Aber die meisten blieben vor Ort und die Furcht vor deren Rache war weit verbreitet. Auf die Osteuropäer wartete nach der Rückführung in ihre Heimat oft Misstrauen, Diskriminierung und neues Leid.

60 Jahre nach Kriegsende ist die Vergangenheit nicht vergangen. Im Gegenteil. Das Interesse und die Beschäftigung mit der verbrecherischen Nazi-Herrschaft wird zunehmend intensiver. In einer Zeit, wo Überlebende nicht mehr aus eigener Erfahrung unmittelbar Zeugnis ablegen können, wird das Erinnern mit Hilfe von schriftlichen und mündlichen Berichten immer wertvoller. Denn solche menschenverachtenden Systeme dürfen in unserer Gesellschaft nie wieder mehrheitsfähig werden. Um das zu verhindern, ist jeder Bürger aufgefordert, solchen Tendenzen entgegenzuwirken und so Verantwortung für eine demokratische Zukunft zu übernehmen. In Finkenwerder ist dieser Teil der Ortsgeschichte jahrzehntelang verdrängt, verharmlost, vergessen und bewusst unterdrückt worden.

Der Arbeitskreis sammelt deshalb Zeitzeugenberichte und informiert in öffentlichen
Veranstaltungen über die Ergebnisse seiner Recherchen. Außerdem führt er Klassen der Gesamtschule und des Gymnasiums durch den Ort und veranschaulicht die Nazi-Herrschaft in Finkenwerder. V.i.S.d.P.: Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ-Neuen-gamme, cio H. Kaufner, Carsten-Fock-Weg 12, 21129 Hamburg