Anlaß für unsere Gedenkveranstaltung sind die von den Nazis organisiert und durchgeführten Pogrome im November 1938. Als Vorwand diente ihnen die Tat eines Jugendlichen. Der verzweifelte 14jährige Herschel Grünszpan, der nach Paris emigriert war, weil es für Juden in Deutschland keine Zukunft mehr gab, erfuhr von seiner Schwester per Post, dass sie und die Eltern, polnische Juden, die in Hannover lebten, in einer Nacht und Nebel-Aktion mit zigtausenden weiteren polnischen Juden und deutschen Juden mit polnischen Wurzeln zwangsweise und unter erbärmlichen Zuständen an die polnische Grenze deportiert worden waren. Darauf wollte Herschel mit einem wie, er es nannte, Fanal reagieren.
Er besorgte sich in Paris einen Trommelrevolver, suchte am 07. November die deutsche Botschaft auf, traf dort auf den Gesandschaftsrat Ernst vom Rath und schoss mehrmals auf ihn. Zwei Patronen verletzten den Mann lebensgefährlich, so dass er am 09.November verstarb. Dies erfuhren umgehend führende NS-Vertreter, die sich zu diesem Zeitpunkt in München aufhielten, wo das traditionelle Treffen zur Erinnerung an den gescheiterten Putsch von 1923 stattfand.
Die Verzweiflungstat war für das Regime ein willkommener Vorwand, um den „Volkszorn“ zu organisieren, als „Vergeltungsaktion“ zu deklarieren und damit in der Nacht vom 09. auf den 10. November im gesamten Reich zu beginnen. Synagogen brannten, Juden wurden geschlagen, ihre Geschäfte und Wohnungen geplündert und Tausende in die Konzentrationslager verfrachtet.
Niemals zuvor standen Hunderttausend Juden und Jüdinnen einer derart aufgehetzten Bevölkerung gegenüber, wurde das staatliche Gewaltmonopol in die Hände einer antisemitischen „Volksgemeinschaft“gelegt. Von da an war es nur noch ein kleiner Schritt, bis die Nazis über die sogenannte „Endlösung“ der „Judenfrage“ entschieden und die Transporte in die Vernichtungslager begannen.
Zur Zeit erleben wir dass Fremdenhass sich gewalttätig Bahn bricht und religiöse Minderheiten wie Muslime Angst haben müssen. Gleichzeitig gibt es eine fanatische Gruppe von Islamisten, die Menschen töten, die Welt ist aus den Fugen geraten, Israel, Gaza, Ukraine, Sudan und weitere global verteilt kriegerische Auseinandersetzungen und eine leidende Zivilgesellschaft.
Unser Gedenken gilt vorbehaltlos allen Opfern, die Terror und Gewalt erleben und erlebten, und an die wir jetzt mit einer Kranzniederlegung und einer Schweigeminute gedenken wollen.
pk/11/2025
